In einer Fernbeziehung ist das ein bisschen so, als würde man immer wieder Zettel hochhalten. Alles wird komprimiert und so zusammengefaltet, dass es in die dafür vorgesehen Kanäle passt und verschickt werden kann, gesagt in einer bestimmten Zeitspanne, gesehen zu einem bestimmten Moment. Man ist in Umstände verstrickt, die manchmal eine Bedeutung erlangen, die sie sonst nie hätten. Vieles kann man nicht erklären, vieles muss man erklären. Und dann guckt man mit Sehnsucht über Berge und Täler hinweg. Und meistens hat man einen Edding und viele kleine Zettel dabei, sammelt die Momente ein, um sie später noch einmal hochzuhalten. Parallelerleben in Verzögerung. Aber für dieses „Hi“ bei einem Wiedersehen, für diesen ersten Kuss nach längerer Zeit, dieses Gefühl, den Kopf in den anderen Nacken zu legen, die Wärme zu spüren und den Geruch des Anderen in sich aufzunehmen, für all das bin ich bereit, sämtliche Eddingvorräte dieser Welt aufzukaufen.
Der Kreis hat sich geschlossen. Die Ecken und Kanten, die das Rad zum Holpern brachten, haben sich geglättet. Es läuft jetzt rund, das Rad. Anders als erwartet, aber rund.
Die Reise hier auf Xhoch3 ist vorbei. Es waren Zahlen- und Wortspiele, die jetzt, in einer neuen Dekade, keinen Platz mehr haben.
2010 ist anders. Vom ersten Tag an. Es endet auf eine Null. Und es soll die Chance bekommen, wieder von Null an zu erzählen. Ich werde ihm gerne zuhören.
Dieses Verlangen danach, wieder sich selbst zu spüren, man selbst sein zu können, ohne sich in kryptischen Umschreibungen und hinter tausend vor den Mund gehaltenen Blumen zu verschleiern, es ist immer größer geworden. Jede Pore, jede Faser sehnt sich danach. Und manchmal funktioniert so etwas eben nur an einem anderen Ort, dort, wo niemand deinen Namen nennt.
Xhoch3 bleibt so stehen, wie es ist. Es ist mir ans Herz gewachsen, daran besteht kein Zweifel. Aber Xhoch3 ist eben zu sehr „ich“. So sehr, dass es mir die Luft zum Atmen nahm. Das endete darin, viel weniger ich zu sein, als es mir lieb ist. Hier lesen einfach zu viele mir bekannte Menschen mit.
Ich begann vor bald 4 Jahren, unter dem Namen “WeitWeg” über Fakten und Geschehnisse zu bloggen. Vor allem über meine Reisen, Erfahrungen und Erlebtes. Später nahm ich mein virtuelles Zuhause als “Xhoch3″ weiter mit auf die Reise. In die Natur und die Berge. In das Zurückfinden und Ankommen. Dann begann auch der Wandel im Schreiben selbst. Hin bis zu den Dingen, die aus dem Herzen kamen. Und langsam, aber merklich und mit der Zeit immer stärker, veränderte sich mein Schreibstil grundlegend.
Über Fakten und Geschehnisse berichte ich zur Genüge in meiner Arbeit. Mein Innerstes schreit aber um Ausgang, um Verlängerung der Sperrstunde. Nur stelle ich mein Innerstes eben nicht gerne am Silbertablett zur Schau, das dann vielleicht auch noch mit einer Menükarte serviert wird. Heute im Angebot: „Alexas Seele, an flambiertem Herzen. Dazu reichen wir ein Sorbet, bestehend aus Zukunftsplänen und Visionen. Zum Trinken ein Tropfen halbsüße Emotion.“
Ja, „es“ will heraus und ja, ich werde weiter schreiben. An einem Ort, den niemand außer mir kennt. Er wird mit Sicherheit gefunden werden von Fremden. Und er wird gelesen und vermutlich sogar kommentiert werden. Ich werde schreiben können, wie ich es möchte und wonach mir gerade der Sinn steht, ohne dass das, was da steht, mit der Person Alexa in Zusammenhang gebracht wird. Ohne dass daraus Schlüsse gezogen werden oder der Neugier anderer Genüge getan wird.
Ich liebe das Schreiben, merke wie es sich (und mich) verändert hat, und diese Veränderung gefällt mir. Ich will sie ausbauen. Irgendwann vielleicht ein Buch schreiben. Kurzgeschichten. Bis es aber soweit ist, will ich meiner Kreativität und vor allem meinem Herzen keinen Riegel mehr vorschieben müssen. Nur weil ich weiß, dass Bekannte, Freunde und auch Nicht-Freunde mitlesen.
Vielleicht werde ich Xhoch3 irgendwann wieder neues Leben einhauchen. Ich kann es mir gut vorstellen. Deswegen bleibt hier einstweilen auch alles so, wie es ist.
Denjenigen, die mich von ihren Seiten aus verlinkt haben möchte ich noch sagen: Ich bin euch nicht böse, wenn ihr mich aus der Blogroll entfernt. Aber ich freue mich auch, wenn ich drinnen bleibe. Denn ich werde auch künftig auf den (wenigen) Blogs, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, lesen und kommentieren. Ein ganz spezielles Blog hat mich sehr oft inspiriert und mit Sicherheit seinen Beitrag zu vielen Veränderungen auf Xhoch3 geleistet. Ich danke der Autorin dafür. Andere wiederum sind seit Anfang an dabei, sind quasi Kommentatoren der ersten Sunde und ich werde es künftig auch nicht verabsäumen, dort weiter zu lesen.
Für mich ist es an der Zeit, weiter zu ziehen. Zu laufen. Und wir laufen, um uns zu begegnen..
Wieder ich zu werden. Meinen Eddingvorrat aufzustocken und dafür Sorge tragen, dass ich immer genügend Zettelchen dabei habe. Für den Moment, an dem ich einfach nur ein „Hi“ hochhalte. Und ein riesiges Herz rundherum male.





