xhoch3

30. Juni 2009

Schlangenfutter

Gespeichert unter: Speikobra, Stöckchen — lexxa @ 22:45

Ich wurde beworfen! Und zwar mit einem Stöckchen, von der lieben Frau Barfussinsalzburg. Sie tat es auf eine ziemlich dezente Art und Weise, da sie mich ein wenig kennt und weiß, dass ich nicht die fleißigste Stöckchen-Verwerterin bin. Aber bei diesem Wurfgeschoss konnte ich dann doch nicht widerstehen. Es geht um zehn Dinge, die mich nerven. Und um es vorweg zu sagen: Da gibt es schon noch die eine oder andere Sache mehr, die mich nervt, aber es muss ja nicht immer alles ausgeplaudert werden. :grin:
Und los geht’s:

1. Graben in der Vergangenheit. Alles auf die Vergangenheit schieben. Dauernd von „Schicksal“ und „Vorherbestimmung“ reden. Nur ja nicht die Verantwortung für sein eigenes Leben in die Hand nehmen und etwas ändern. Das Warten auf den richtigen Zeitpunkt. Denn im Warten ist noch selten etwas in die Gänge gekommen..

2. Jungs, die meinen, zwei Frauen beim Fortgehen wollen zwangsunterhalten werden. Jungs, die die einfachsten Zeichen einfach nicht deuten können. Jungs mit Brettern vorm Hirn.

3. Zickenterror. Frauen, die entweder dermaßen wenig Selbstbewusstsein in sich tragen, dass sie jede mögliche – und zumeist erfundene – Konkurrentin in der Manier eines handtaschengroßen, tollwütigen Yorkshire-Terriers anfliegen. Und dabei vielleicht auch noch über ihre High Heels stolpern. Sieht einfach nur doof aus.
Oder Frauen, die tatsächlich derart wenig im Oberstübchen haben, dass der Spruch “bitte einfach nur hinstellen, Mund halten und gut aussehen” zum traurigen Obligatorium mutiert. Aber wenn ichs mir recht überlege, nervt mich das gar nicht. Nein, es ist schon ziemlich unterhaltsam.
Also Zicken-Ladies: Bitte um Fortsetzung – des Amüsements wegen.
Danke.

4. Menschen, die den Aufzug benutzen, um in das im 3. Stock gelegene Fitnessstudio zu gelangen. Überhaupt Menschen, die es scheuen, sich zu bewegen und dann über ihre Figur klagen. Und der Lebensmittelindustrie die Schuld in die Schuhe schieben. Hauptsache, keine Verantwortung für den eigenen Körper übernehmen. Traurig ist das.

5. PowerPoint-Präsentationen. Punktuelles Abstrahieren, Verkürzen, Verdichten und Dekontextualisieren einer ursprünglich wohldurchdachten Storyline mithilfe grafisch fast schmerzlich anmutender Eyecatcher, um gezielt vom scheinbar gut strukturierten Inhalt Chaos hilflos aneinander gereihter Schlagwörter abzulenken.
Kurz gesagt – sprich – auf die Macht des Punktes gebracht:
Danke PowerPoint.
Du bist, was du zu essen gibst: fast-thought-society.com
Hoch lebe das Zeitalter der guten, alten Tafel.

6. Menschen unter Einfluss (harter) Drogen. Ich hatte es schon hunderte Male vor meinem geistigen Auge: Diesen einen A4- Spiegel, den ich irgendwann mitnehme auf diverse Festivitäten. Und meinem Gegenüber einfach vor die Nase halten werde, wenn ich nach dem 3. Versuch verbaler Artikulation noch immer nichts verstanden habe. Oder einfach nicht seiner/ihrer Lebensgeschichte in einer mir fremden Sprache lauschen will. Oder es ihm/ihr auch nicht glaube, dass er/sie mich soooo lieb hat. Und vielleicht schreckt sich mein Gegenüber in Anbetracht seines/ihres Spiegelbildes dermaßen, dass er/sie (fallweise auch “es”) dann einfach nach Hause geht und so lange schläft, bis alles wieder gut ist.
Mein Lieblingszitat dazu von Helge Timmerberg: “Schon mal nüchtern auf einer Koksparty gewesen? Schon mal zugehört, was da geredet wird? Und wie? Wie die Kokser die Kontrolle über die Mundwinkel verlieren? Und die Art, wie sie später nach Hause gehen? Du musst es nur einmal nüchtern sehen, dann bist du clean.”

7. November. Der Monat, der mir getrost den Buckel runter rutschen kann, der auf den Mond geschossen gehört, aus allen Kalendern gestrichen, verbannt und auf Nimmerwiedersehen in den Untiefen der Hölle (so es sie denn gibt) versenkt. Dieser kalte, dunkle, nichtsnutze, influenzaverseuchte Taugenichts.

8. Unerwarteter und unangekündigter Besuch von nebenan. Wobei dieser (*dreimalaufholzgeklopft*) sich schon lange nicht mehr hat blicken lassen.

9. Ü-30-Partys. Oder auch Singlebörse und Frisch(??)fleischbeschau genannt. Mitt-30-er auf der verzweifelten Suche nach einer (besseren) Hälfte, das Ticken der biologischen Uhr im Hinterkopf immer langsam zu einem Dröhnen mutierend, zwängen sie sich in ihre engsten und buntschillerndsten Klamotten, laden zum Balztanz und benehmen sich krampfhaft wie 15-Jährige bei ihren ersten Ausgehversuchen, um ja nicht am Bild der eigenen Jugend zu kratzen. Man setze sich einfach nur hin und wohne dem Spektakel stillschweigend bei. Und amüsiere sich dabei köstlichst.

10. Fahrräder. Gestohlen oder “ausgeborgt”. Es sind einfach schon zu viele dieser Sorte, die mich unfreiwillig als Besitzerin aufgeben mussten. Und ich werde jedes Mal fuchsteufelswild.

Und weil es sich gehört, werfe ich das Stöckchen weiter. Und zwar an Johanna, Nicole, Mellcolm und Konna.
Ich bin gespannt!
:mrgreen:

29. Juni 2009

ppt.deppensoftware.com

Gespeichert unter: Humor, Kurzgeschichte — lexxa @ 17:15

Wenn Schulz noch rauchen würde, würde sie sich jetzt eine anzünden. In der Kaffeeküche der Direktionsetage steht sie und stellt sich vor, was im großen Sitzungszimmer mit der Installation passiert: Jemand stößt versehentlich gegen den Beamer, und während er ihn geraderückt, verstellt er die Schärfe und hinterlässt fettige Fingerabdrücke auf der Linse. Jemand stolpert über das Kabel, weil das Klebeband, mit dem sie es gesichert hat nicht hält, und reißt den Beamer zu Boden.
Als Schulz dann aber in das Sitzungszimmer gebeten wird, scheint alles in Ordnung zu sein. Die Teilnehmer des Meetings verstummen, nur der CEO, Dr. Winter spricht noch mit Dr. Heimann. Als Dr. Winter Schulz endlich bemerkt, schaut er sie über den Rand seiner Brille an und sagt: “Also denn, legen Sie los, Schulz.”
Das ist der große Moment, auf den Schulz sich während der letzten vier Wochen so minuziös vorbereitet hat. Ihre Präsentation vor dem Firmenmanagement. “Zügig”, wie sie es gelernt hat, geht sie zum Beamer, schaltet ihn ein und klappt den Laptop auf. Aber noch beginnt sie nicht mit ihrer Präsentation. Sie nimmt Kontakt mit ihrem Publikum auf. Versammelt die Blicke auf sich. Denn hier steht die Coming Woman des Hauses und sie VERLANGT die verdiente Aufmerksamkeit der Unternehmensführung für das, was sie vorzubringen hat.

Es dauert ein paar quälende Sekunden, bis sie die volle Aufmerksamkeit besitzt, dennoch hängt sie noch ein paar weitere daran. Dann begrüßt sie die Runde und leitet sofort in ein Purpose-Statement über. Warum diese Präsentation? Wo stehen wir und wo wollen wir hin? Was ist das Ziel? Mit diesem Teil zielt sie voll und ganz auf Dr. Winter und Dr. Heimann ab, weil man mit dem Purpose-Statement bei der oberen Führungsebene die meisten Punkte erzielt. Die nachfolgende Agenda, eine Art Szenario der bevorstehenden Präsentation, richtet sie an die gesamte Runde. Dann legt sie so richtig los.

Die ganze Präsentation hat sie farblich auf ihr Äußeres abgestimmt. Viel Blau, viel Goldtöne, kein Grün und Rot nur äußerst sparsam. Sie verzichtet absichtlich auf einen Laserpointer und deutet lediglich mit ihrer offenen Handfläche auf die Punkte, die sie besonders hervorheben will. Das gibt ihr die Möglichkeit, immer wieder vor die Leinwand zu treten und ihn den Farbstrahl des Beamers zu tauchen. Wie zufällig werden Schlagworte wie “future”, “challenge” und “success” auf ihren Oberkörper oder den Rücken projiziert.
Schulz spürt, wie sie ihr Publikum in den Bann zieht. Wie sie eins wird, mit ihrer Präsentation.

Nach der letzten Folie ist es einen bangen Moment lang still. Dann beginnt Dr. Heimann zu klatschen, und der Rest der Runde stimmt ein.
Schulz verbeugt sich, klappt ihren Laptop zu und verlässt unter Applaus den Raum. Draußen rammt sie die Faust in die Luft und stößt einen lautlosen Triumphschrei aus. Drinnen beugt sich Dr. Winter zu Dr. Heimann und murmelt: “Haben Sie das verstanden?”
“Kein Wort”, antwortet Dr. Heimann, “aber es war super präsentiert.”

24. Juni 2009

Tropfen für Tropfen

Gespeichert unter: complicated, music — lexxa @ 23:46

Als ich so lief, in diesem schier undurchdringbaren Grau, das sich mit jedem Schritt noch wenig fester um mich zu klammern schien, begann er leise auf mich herab zufallen. Tropfen für Tropfen. Und ich sah nach oben und schrie wortlos in den Himmel, solange bis ich einfach nicht mehr wusste, ob es nun Tränen waren, die mir übers Gesicht liefen, oder doch nur der Regen, der seit Tagen nicht aufhören will zu fallen.
Dann schlich auch er sich ein, dieser unbeschreiblich schöne Song, der trauriger nicht sein könnte. In diesem Moment war ich froh, die Worte dafür nicht selber finden zu müssen. Den Schmerz nicht hinabsteigen zu müssen, um ihn fassbar zu machen. Denn manchmal lässt es sich selber nicht annähernd so gut sagen, wie andere es schöner zu singen vermögen.

So ich lief weiter. Trotzig dem Grau entgegen, verbissen den Regen ignorierend, immer noch schneller, um der Kälte zu entkommen. Solange, bis ich es wusste.

Sorry.
I just can’t save your soul.
I can’t.


19. Juni 2009

Nova Regenstiefel-Rock

Gespeichert unter: Humor, mad, pictures — lexxa @ 00:43
Tags: , ,

Sie tragen kleine Gänseblümchen. Sie glänzen. Ihr Rand ist rosarot und sie werden von einer braunen Plastikschleife zusammengehalten. Sie sind hoffentlich noch immer dicht, und sie gehören – um es vorweg klarzustellen – meiner Schwester. Sie sind Gummistiefel. Oder auch Regenstiefel, was ihrer Bezeichnung in der Ausübung ihrer Funktion gerechter wird. Und weil es in diesem schönen, satt-grünen Land, in dem das Wasser niemals versiegt, auch (unter anderem) immer dann regnet, wenn Festivals anstehen, werden sie mitgenommen. Ins schöne Burgenland. Dorthin, wo im Umkreis von zig Kilometern endlose Felder und etliche Windräder stehen. Eigentlich ausschließlich. Und eigentlich ist das ein etwas unpraktischer Zustand, bedenkt man, dass sie Sturm, Regen und Hagel für die kommenden Tage voraussagen. Um es kurz zu machen: Ja, mir scheint die Sonne aus dem „A“ in Voraussicht auf das diesjährige Nova Rock. Aber gut. Was tut frau nicht alles. Und Metallica, Faith No More, Disturbed und Co. mögen es verzeihen, wenn Frau Lexxa ihren Ausführungen in braun-rosa Gummistiefeln folgen wird. Wir sind ja schließlich nicht auf einer Modenschau, oder?

16. Juni 2009

Pornöse Bloggerrhö

Gespeichert unter: Erkenntnisse, Humor, Kommentar, online — lexxa @ 00:08
Tags: , , , , ,

Da war ich nichts Böses ahnend auf der Suche nach Informationen zum Wandel der deutschen Sprache in der heutigen “Cybersociety” und wollte schon ziemlich bald meinen Augen nicht mehr trauen:
Von A wie “abflacken” bis Z wie “zweinullig”: Mehr als 1.200 Ausdrücke dieser Art wurden in den vergangenen Wochen auf einem “Szenesprachenwiki” eingetragen. “Btw” (by the way): Die Duden-Redaktion und das Hamburger Trendbüro haben vor kurzem aus diesem Wiki die Begriffe für ihr „Neues Wörterbuch der Szenesprachen” ausgesucht. (Wieder ein Paradebeispiel von ziemlich kapitalistisch angehauchtem “Crowdsourcing“). Voraussichtlich ab September dieses Jahres können Leser damit ihren “Denkmuskel” “beschlauen”. Aber auch online ist die Lektüre anscheinend ziemlich “pornös”, wie die rege Teilnahme an dem Wiki zeigt. Anscheinend ist eine Neuauflage des Szenesprachen-Duden aus dem Jahr 2000 längst überfällig, hat sich doch seit der Jahrtausendwende viel getan im deutschen Sprachgebrauch – vor allem unter den heranwachsenden “Digital Natives”. Unter den Vorschlägen für die 2009er-Ausgabe finden sich Wörter, die vor neun Jahren noch gar nicht möglich gewesen wären. Gelungene und auch lustige Beispiele hierfür sind meiner Meinung nach “Bloggerrhö” und neuerdings auch “Twitterrhö”. Diese Art von Zynismus über die textbasierte Inkontinenz heutiger Internetnutzer lässt mich dann schon schmunzeln.

Weiters scheinen Kofferwörter voll im Trend zu liegen, wie etwa “smirting” (das Flirten unter “Smokern”), “smexy” (“gemorphed” aus “smart” und “sexy”), “Crackberry” (Crack und Blackberry verschmelzen zu der Sucht, ständig erreichbar zu sein) oder aber “Bankster” (Mischung aus Banker und Gangster – im Zuge der Finanzkrise ein Wort für Banker, die moralisch schlecht handeln).
“Augenkrebs” bekommt man, wenn man hässliche Sachen und Kleider sieht. Die “Biobreak” ist ein neues Wort für die Pinkelpause, “random” ist hingegen alles, was beliebig ist. Neuere Umschreibungen fürs Tanzen sind “bouncen” und “abspacken”. Essen, das am Schreibtisch nebenbei zu sich genommen wird, heißt “Deskfood”. Und wenn man “schmacko” zu Mittag essen war und dann müde im Büro sitzt, würde so manch einer gerne “powernappen”, während aber am Bildschirm ein Bild darauf wartet, “ge(photo-)shopt” zu werden. Als Alternative zur Arbeit kann man sich dann unter die YouTube-“User” mischen und andere Beiträge “runter- oder raufvoten”. Und seit dem Myspace-Boom im Jahr 2005 ist es völlig normal, wenn man einzelne Personen zu seinem Freundeskreis “addet” und die besten unter ihnen zu seinen Lieblingen “favet”.

Als eine dem Schreiben und den Sprachen Verfallene sträuben sich bei mir in letzter Zeit immer häufiger die Nackenhaare, wenn ich Online-Texte lese bzw. die Kommunikation anderer im Web mitverfolge. Aber noch abscheulicher wird es, wenn solche sprachlichen Auswüchse in einer nächsten Instanz den verbalen Sprachgebrauch vereinnahmen. Es ist schon klar, dass sich jede Sprache im Laufe der Zeit verändert und mit der Gesellschaft und ihren Strukturen modifiziert. Aber mir sind es dann im Allgemeinen doch zu viele Anglizismen, die in diesen neuen “Szenebegriffen” stecken, könnten die meisten der oben angeführten Begriffe durchaus durch deutsche Pendants ersetzt werden. Begriffe jedoch wie “youtuben”, “twittern”, “(ego-)googeln” oder aber “Cyberstalking” mögen ihre Berechtigung haben, da Alternativen wie “in YouTube suchen”, “auf Twitter schreiben”, „in Google suchen” oder die “digitale Verfolgung” erstens lang sind und zweitens holprig klingen. Aber dieses krampfhafte Verenglischen des Deutschen, samt seiner Grammatik und Syntax, geht mir bisweilen einfach ein Stückchen zu weit. Quasi ein absolutes “NoGo”. Zusammengefasst fällt auf, dass man all diesen Wörtern anmerkt, wie schnelllebig die Zeit und wie alt man selbst ist. Kommt man mit? Versteht man die Gedanken hinter den Begriffen? Oder ist man sprachlich ein “Vollhorst” bzw. “-pfosten”?
Ein Blick auf das Szenesprachenwiki lohnt sich auf alle Fälle, der eine oder andere Lacher ist einem gewiss. Und vielleicht kommt der eine oder andere “Nutzer” (!!) danach auf den Geschmack, dass gewisse Ausdrücke mit anderen, deutschen Begriffen auch ganz nett klingen können.

Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen, dass ich mich für die fallweise ausbleibende Bloggerrhö hier auf xhoch3 entschuldigen muss. Aber der Sommer da draußen ist einfach viel zu spannend! :grin:

9. Juni 2009

Der Trick mit dem Klick

Gespeichert unter: Erkenntnisse, Sport, life — lexxa @ 23:20
Tags: , , , , , , , ,

Und schon wieder sind es Zahlenspiele, die mich in ihren Bann ziehen. Die 15 ist es, mit der ich vor bald zwei Wochen zu jonglieren begann. Und um mein Vorhaben zu bekräftigen, will ich auch hier davon erzählen.
15 Jahre täglich. Der Griff zur Packung Zigaretten. Und ich belog mich selbst, wenn ich sagte, es wären 10 pro Tag. Weil es eher 15 waren. Oder eine ganze Packung beim Weggehen. Kein Bier ohne Glimmstengel, kein Café oder Spritzer. Und kein einziges Mal in den vergangenen 15 Jahren dachte ich ans Aufhören. Ganz im Gegenteil. Ich rauchte gerne. Mit Genuss. Nach dem Essen, nach dem Sport, als Pausenfüller und zum Dampfablassen. Als Raucher lebt man ein Leben voller Rituale, die scheinbar nicht mehr wegzudenken sind.

Ich sagte oft, ich würde aufhören, sobald es an die Planung eines eigenen Kindes ginge. Aber keine Sorge – noch ist es nicht soweit! Es machte ganz plötzlich und ohne jegliches Zutun meinerseits gehörig „klick“ in meinem Kopf.
Noch immer spekuliere ich über den Auslöser. Die fremde Umgebung? Ich war in Kroatien. Der tägliche Sport? Wir waren am Klettern. Die Truppe bestehend aus 19 Nichtrauchern? Oder die Tatsache, dass Zigaretten in Kroatien auch nicht wesentlich billiger sind als hierzulande? Ich wollte gleich einige Stangen mit nach Hause nehmen. Oder war es doch der Umstand, dass ich nun gleich lange Raucherin sein würde, wie ich Nichtraucherin war? 30 Lenzen zähle ich… Oder vielleicht lag es auch an der netten Rechnung, die mir einen Betrag von rund 1000 Euro jährlich vorsummierte. Oder 80 im Monat. Erschreckend! Und so einleuchtend zugleich…
Vermutlich haben sich alle diese Faktoren zu einem celebralen Supergau gesteigert. Denn plötzlich, nach ungefähr 4 vorangegangenen Spritzern und etlichen Zigaretten im Abseits, sah ich auf die 4 übrigen, ziemlich traurigen Nikotinspender in dieser Packung und beschloss, sie zusammen mit 2 weiteren Spritzern hintereinander zu rauchen und es dann endgültig bleiben zu lassen. Und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass mir die Entscheidung direkt danach nicht schwer fiel. Schlecht war mir für 3.

Tag 1 war dann ziemlich mies. Vielleicht lag es auch am Kater. Oder an der zu dünnen Schlafunterlage im Zelt. Aber ich war gerädert ohne Ende, als wir um 9 Uhr morgens zum Felsen aufbrachen.
Noch nie gehörte ich zu jenen Rauchern, die direkt nach dem Aufstehen zur Zigarette greifen. Aber so zwei Stunden später, nach dem Frühstück und zum Kaffee durfte es dann schon sein. Diesmal nicht. Und mein Körper erinnerte mich schmerzlich an dieses Defizit. Just in dem Moment, als ich auf halber Strecke einer Seillänge war. Ich fühlte mich ohnedies noch unbeholfen, da die letzte Kletterei ein Jahr hinter mir lag. Aber zittern und schweißnasse Hände?
Ich wollte nur runter. Und alleine sein. Fühlte mich nach heulen und tat es auch. Und dann lief ich. Fast 20 Kilometer die Küste entlang. Zurück kam ich 2 Stunden später, um eine Zerrung reicher, aber auch um dieses schier unbesiegbare Verlangen ärmer. Und nach drei Tagen kam mir vor, dass der körperliche Entzug überstanden war. Ich hatte genug zu tun, war den ganzen Tag in der Sonne, bewegte mich und hatte nur Nichtraucher um mich.
Back home kam die Stunde der Wahrheit. Und ich gestehe – ja, ich habe bereits gesündigt. Es ist nicht einfach, wenn Leute um einen sind, die rauchen. Wenn man wieder vor diesem PC sitzt, der immer in Kombination mit Zigaretten in Verwendung war. Aber – und das ist wichtig – es schmeckte nicht. Und ich ärgerte mich.
Vielleicht werden mir solche Ausrutscher noch ab und an passieren, aber Raucherin werde ich keine mehr sein. In meine imaginäre Kasse fließen nun täglich 3 Euro, die früher für Glimmstengel draufgegangen sind. Und das motiviert.
Aber auch das Berggehen hat sich mittlerweile verändert. Ich war zwar davor auch nicht unfit, aber letztens bewies mir mein Körper eindrucksvoll, dass er zu weit mehr fähig ist, als ich es anzunehmen wagte.
Bleibt nur diese eine Sache, die mir noch Kopfzerbrechen bereitet – die mit dem Schmecken und Riechen. Es ist anders. Besser. Intensiver. Aber wer wird’s mir danken? Im Internet kursieren Horrorstories von wegen „3 Kilo in einer Woche zugenommen“ usw. Und DAS – meine Damen und Herren, werde ich mit Sicherheit nicht zulassen. Ja, ich habe momentan vielleicht etwas häufiger die Schoki in greifbarer Nähe. Oder Soletti. (Aber auch Zahnstocher und Kaugummis!) Aber dafür gibt’s eben auch mehr Sport. Mehr Bewegung. Und dazu muss ich mich ohnedies nicht zwingen. Vor allem jetzt nicht, wo das Schnaufen mit jedem Tag einfacher und der Atem jeden Tag länger wird. Es fühlt sich an, als würden tausend kleine Männchen in meiner Brust sitzen und mit Meißeln eine blockierende Schicht bearbeiten. Und ich kann nur sagen – ja, es fühlt sich gut an.

Im Grunde genommen ist es nicht so, dass mir etwas weggenommen wird, wenn ich den Zigaretten entsage. Eigentlich wird mir etwas Großartiges zurückgegeben und das muss ich mir einfach immer wieder vor Augen halten.

Und zum Abschluss möchte ich noch ein nettes, aber nicht unbedingt vorbildhaftes  Zitat anfügen, dem ich mich in der Praxis dann doch nicht anschließen werde. Weil ich es nur einmal vorhabe und mir sicher bin, dass es machbar ist.
:mrgreen:

Foto: Kristallwasser

„Es ist ganz leicht, sich das Rauchen abzugewöhnen. Ich habe es schon hundert Mal geschafft.“ – Mark Twain

Hier noch der Link zum Fotoalbum “Croatian Rocky Picture Show“. Der Ort, an dem der Trick mit dem Klick gelang. Am 29. Mai um 22.04 Uhr.

Nächste Seite »

Bloggen Sie auf WordPress.com.