Durchatmen Salzburg, sie ziehen endlich weiter!
Ungefähr eine Woche ist es nun her, dass Salzburg zusätzlich zum Schweinegrippevirus dem Hollywood-Fieber erlag. Regisseur James Mangold kam mit Tom Cruise, Cameron Diaz und 200 weiteren Beteiligten in die Mozartstadt, um dort geschätztes 10-minütiges Bildmaterial für die Action-Komödie „Knight & Day“ zu drehen. Der Salzburger Kapitelplatz (direkt neben dem berühmten Christkindlmarkt) wurde zum „Hollywood-Basecamp“ aka Zelt- und Wohnwagenstadt umfunktioniert und hermetisch von der Öffentlichkeit abgeriegelt. Die Diaz ließ es sich nicht nehmen, in einem der meiner Meinung nach schönsten Hotels der Stadt zu wohnen – dem Hotel Mönchstein auf dem Mönchsberg, welches in dieser Zeit nur der Aktrice und dem Filmteam zugängig war.
So weit – so gut. Wer sich das leisten kann, dem sei’s gegönnt. Möchte man meinen. Aber es darf auch nicht vergessen werden, dass rund 300.000 Euro Landesmittel zur Filmförderung mobilisiert wurden, um das Team in der Landeshauptstadt „willkommen“ zu heißen und jeden ihrer Wünsche zu erfüllen. Angesichts dieser Tatsache kam bei mir schon einmal die Frage auf, ob Salzburg vom Dreh und den (noch immer anhaltenden) Nachwehen Auswirkungen des Films „The Sound of Music“ geblendet ist. Erwarten sich die Wirtschaft und der Tourismus tatsächlich denselben Werbeeffekt für die Stadt? Von zehn Minuten in einer Hollywood-Actionkomödie?
Aber gut, das sind alles Dinge, die sich noch weisen werden. Mein eigentliches Kopfschütteln gilt eher dem Rummel um die beiden „Stars“. Cruise – er wurde fast heilig gesprochen von unseren Medien. Weil er immer wieder brav in die Objektive der Fotografen blickte, lächelte, Autogramme gab und – oh mein Gott – sogar mit einer Hand winkte, während das gesamte Medienaufgebot des Landes ihre Kamera auf ihn richtete. Jeder fand ihn „cool, nett, süß“, Medien titulierten ihn als „Vollprofi“ und ich stand verdutzt daneben und verstand die Welt mal wieder ein Stückchen weniger. Wo war er geblieben, der strenge Scientologe, der angeblich seiner Katie vorschrieb, was sie und die gemeinsame Tochter zutun hätten und was nicht? Weg war er. Weil er eben brav lächelte und posierte. Salzburg lag Tom zu Füßen. Und sie liebten ihn alle noch ein Stückchen mehr, als er direkt nach seiner Ankunft Mozarts Geburtshaus besichtigen wollte. „Der Cruise will unseren Mozart sehen!“ Ja, und mit ihm jährlich zigtausend weitere Touristen. Was für eine Leistung, Herr Cruise!
Cameron hingegen war von Beginn an ein wenig das schwarze Schaf, weil sie beim Hinterausgang des Fliegers ausstieg, um den Kameras zu entkommen. Cameron gefiel mir. Genau deswegen vermutlich. Sie zog es vor, im Hintergrund zu stehen. Mit Freundinnen ins Afro-Café zu gehen, dann umzukehren, weil alle Tische besetzt waren.
Wäre es nach meiner Chefin gegangen, so hätte ich mich während dieser Tage mit unserem neuen 500-er Tele auf die Lauer legen sollen, hätte mit Securities flirten sollen, um etwas aus ihnen heraus zu bekommen und all meine „Connections“ aktivieren müssen, um immer vorne dabei zu sein, was Neuigkeiten rund um den Filmdreh betrifft. Und zum ersten Mal in meinem Job musste ich mir eingestehen – nein, DAS wird nie mein Terrain werden. Paparazzi. Irgendwelchen Promis hinterher hecheln, die dauernd davonlaufen und sich partout nicht ablichten lassen wollen. Nicht willkommen sein, mit der Kamera. Vielleicht auch noch beschimpft werden. Völlig „Gaga“ sein.
Ich liebe Die Fotografie, aber ich liebe es auch, selber zu inszenieren. Und noch mehr liebe ich es, zu beobachten.
Ich war schon froh, dass unser Team bestückt ist mit Leuten, die sich während der letzten Tage gerne auf die Lauer gelegt haben, so konnte ich meiner üblichen Arbeit nachgehen und niemand war mir böse, dass ich da nicht wirklich mitspielen wollte.
Mal ehrlich: Filme werden täglich gedreht. In Toronto. New York. Los Angeles… Und diese Städte stehen auch nicht Kopf, nur weil irgendwo Straßen gesperrt sind und Schauspieler rumlaufen. Als ich 2007 in Barcelona lebte, drehte Woody Allen mit Penelope Cruz und Scarlett Johansson „Vicky Christina Barcelona“ (dazumal stand der Filmtitel noch gar nicht fest). Und ich bin etliche Male zufällig durch diverse Filmsets geradelt oder spaziert, nur konnte ich dort niemals solche Massen an Schaulustigen und hysterischen Medienrummel ausmachen, wie hier in Salzburg.
Okay, Barcelona, L.A. und New York sind Filmsets wohl eher gewohnt, als das kleine Salzburg. Dennoch. Man kann es auch übertreiben.
Und noch während ich diese Zeilen tippe, gehen neue Meldungen rund um den Filmdreh ein: Drei Fotografen mussten ins Krankenhaus, weil Set-Securities den Kollegen mit Lasern in die Optiken leuchteten. Diese wollten den heutigen Nachdreh dokumentieren. Und jetzt? Wird über Klagen und dergleichen diskutiert. Und dass das mal wieder „typisch Ami“ sei. Nun ja. Die Traumfabrik Hollywood ist eben nicht nur Glanz und Glamour. Und wenn’s ums Geld geht, wird noch immer mit harten Bandagen aufgefahren.
Ich denke, dass dieser Film dem Salzburger Tourismus keine besonders hohe Nachhaltigkeit bescheren wird. Dafür hat er uns eine Stange Geld gekostet, hat Megastaus und geschlossene Lokale beschert und Fotografen hinterlassen, die nun um ihr Augenlicht bangen. Genauso unbeeindruckt wie ich von der Ankunft des Filmteams war, bin ich es jetzt darüber traurig, dass sie wieder weg sind. Denn eigentlich hätte alles viel lockerer und stressfreier über die Bühne gehen können, wenn nicht ganz so viel Rummel rundherum entstanden wäre, woran ich wiederum unsere Medien beschuldige, die sich in einem hysterischen (ja, ich liebe diesen Ausdruck!) Ausnahmezustand befanden. Aber lassen wir das mal, sonst ufert dieses Thema zur Henne-und-Ei-Frage aus. Ich für meinen Teil bin einfach nur froh, wieder auf „meinem“ Mönchsi laufen zu können, ohne dabei argwöhnisch von vor einem hermetisch abgeriegelten Hotel Mönchstein positionierten Securitys beäugt zu werden.











