Nach fast einer Woche fasten-deluxe, unconnected, in einem vorfrühlingshaftem Garten spielend mit zwei Kindern deren Mutter ich schon so ewig lange nicht mehr gesehen habe, deren Mutter schon immer meine beste Freundin war und es auch dann noch ist, wenn ich lange weitweg bin – wird mir einmal mehr bewusst, wie schnell die Zeit vergeht, wie die Dinge einfach ihren Lauf nehmen.
Eine Flasche “Carnuntum-Römer-Wein” mutierte am Vorabend zu einem unterbezahlten Therapeuten und die Freundin zum taschentuchliefernden Fels in der Brandung. Ganz so, als wäre es erst gestern gewesen…
12 lange Jahre ist es her, dass sie mich in diesem unvergesslichen Moment auffing als ich drohte unendlich tief zu stürzen, als meine heile Welt völlig in sich zusammen brach. Sie war da für mich – als ich nicht wusste wo ich war oder wer ich überhaupt noch war, sie war da für mich als ich sie nicht wiedererkannte und sie ging auch nicht als ich sie dazu aufforderte – weil ich einfach nicht ich war.
Ich weinte, weil ich ihr nach 12 Jahren noch immer so unendlich dankbar bin, dass sie mich auf ihre einzigartige Weise zurück ins Leben gezogen hat und meinen Weg, den ich zu gehen hatte begleitete ohne jemals auch nur auf die Idee zu kommen, mich alleine zu lassen. Ich weinte, weil ich froh war, dass sie mich damals gefunden hatte, vor so vielen Jahren.
Da sitzen wir nun, sie ist schon lange verheiratet, hat diese zwei entzückenden Kinder die mich jedesmal derart herzlich empfangen, dass ich nie daran zweifeln könnte, Bestandteil dieser Familie zu sein. Schon lange nicht mehr habe ich mich so wohl und zufrieden gefühlt wie an jenem Tag bei meiner Freundin, in ihrem Garten, bei ihren Kindern unter der warmen Februar-Sonne.
Die beiden vor uns in der Wiese kreischen und lachen, sie buddeln sich durch Erdlöcher und Mamis Kräuterbeet, der eine oder andere Käfer landet schon mal dort, wo er es eigentlich nicht sollte. Ich trinke meinen Morgenkaffee, beobachte Bruder und Schwester bei ihrem Treiben und muss plötzlich über beide Ohren grinsen.
“Was?” fragt meine Freundin
“History repeating…”
“Wie meinst du das?”
“Sieh sie dir an, deine beiden Knöpfe… Wir beide waren auch mal so klein. So lieb. So behütet und unbeschwert! Aber jetzt sei mal ehrlich – leicht hatten sie es nicht immer mit uns – unsere Eltern, wir waren schon Mistkröten mit 14, 15…”
“Das kannst du laut sagen!”
Wir halten beide inne und befinden uns gleichzeitig am selben Ort der gemeinsamen Vergangenheit. Die erste heimliche Zigarette im Wald, der selbst gebrannte Schnaps ihrer Mutter, der uns aus den Latschen (und unser Innerstes nach außen) gekippt hat, das nächtliche aus dem Fenster-Steigen um autostoppend ins benachbarte St. Gilgen zu gelangen, das gemeinsame Schule schwänzen oder die sturmfrei-Parties mit historischen Nachwehen, der erste Streit um den selben Typen, unsere höchst akribisch durchdachte Geheimschrift um Wichtiges vor den Eltern verborgen zu halten…
“Nein, meine beiden doch nicht!”
“Oh doch! Mit dem einzigen Unterschied, dass du sie alle kennst, die Tricks, weil wir sie erfunden haben.”
Etwas verängstig, mit weit aufgerissenen Augen blickt sie ihre beiden Schätze an und ich beschwichtige sie:
“Mach dir mal keinen Kopf – sieh uns doch an! Eigentlich haben wir uns ziemlich gut gemacht bisher. Auch wenn wir noch solche Rotzgören waren, hat uns das Leben noch immer lieb. Im Endeffekt ist doch alles nur ‘a little bit of history repeating’…”




ich glaube gerade weil unsere kinder vielleicht die selben fehler die wir machten nochmal machen, können sie zu eigenständigen selbstbewussten menschen werden. als elternteil bist du im besten fall eine führungsleine u anker in der brandung. der rest ist ohnehin easy goin’ und das leben genießen so gut es geht, selbst wenn sich die geschichte wiederholt – es wiederholen sich ja nicht nur die schlechten, sondern auch die guten dinge im leben…
Kommentar von michibeckinhell — 27. Februar 2008 @ 18:18
..auf alle Fälle! Und genau das ist das Schöne dabei..
Das Leben kann so wunderbar sein, wenn man es nur zulässt..
Kommentar von lexxa — 27. Februar 2008 @ 18:41
Du hast gerade auch bei mir diese Erinnerungen wieder geweckt. War schon eine verrückte Zeit, aber schön, verbindend. Solche Erlebnisse begleiten dich dein Leben lang, egal welche Entfernung zwischen Feunden liegt, egal ob man sich sieht oder nicht, egal ob in der gleichen Stadt oder nicht. Die Erinnerungen bleiben als wäre es gestern geschehen, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Bussl
Kommentar von Brikko — 29. Februar 2008 @ 09:24