Ich hab’ sie ja gern, unsere Nachbarn, das Völkchen mit dem meiner Meinung nach schönsten deutschen Dialekt. Aber in Anbetracht dessen, was für Pläne eine private Organisation namens „Christliche Initiative Pax“ neulich präsentierte, hat es mir die Sprache verschlagen. Diese will auf dem 1613 Meter hohen Predigtstuhl (Berchtesgadener Alpen) eine 55 Meter hohe Christusstatue errichten.
Also jetzt mal langsam und von vorne:
Vorbild ist laut Angaben des Initiators die Christus- statue am „Corcovado“ in Rio de Janeiro. Es ginge darum, ein christliches Symbol für (vorrangig) junge Menschen zu er- richten. Die Finanzierung des Vorhabens, das über 2,8 Millionen Euro kosten soll, sei bereits gesichert.
Soweit die Fakten. Zu diesen gehört aber auch, dass das brasilianische „Monumento Cristo Redentor“ (samt 8 Meter hohem Sockel) 38 Meter in die Höhe ragt. Das klingt nicht beeindruckend hoch, wer jedoch schon einmal vor dieser Statue gestanden hat (ich darf mich da auch dazu zählen), der weiß, wie beeindruckend und mächtig die Statue wirkt. Und das nicht nur, wenn man direkt vor ihr steht. Bei gutem Wetter ist sie in ganz Rio sichtbar. Zurück zum Vorhaben am Predigtstuhl.
55 Meter?
„Das wird Rio de Janeiro in den Schatten stellen“, kommentiert (laut SN) Initiator Harry Vossberg.
Darf ich an dieser Stelle bitte fragen, worum es hier tatsächlich gehen soll? Soll ein christliches Symbol gesetzt werden, oder geht es vielleicht mal wieder um die alte Frage „Wer hat den größeren?“
2,8 Millionen Euro um Rio zu beweisen, dass Bayern „besser, größer“ ist, das es eventuell mehr Geld hat? Hat diese christliche Organisation tatsächlich kein besseres Projekt auf Lager, in das sie diese riesige Summe Geld investieren könnte? Von einer Christusstatue werden auch keine Familien satt, die von Sozialhilfe oder „Hartz IV“ leben. Aber Hauptsache, sie haben „den größeren“. Vogel. Und Testosteronspiegel.
Na Prost, Mahlzeit.
Das waren also meine Fragen. Meine Meinung zu dem Thema geht in eine ganz andere Richtung, gänzlich weg von christlichen Symbolen oder Kräfte- bzw. Länge Höhemessen. Meine Meinung dazu lautet: Lasst die Berge, die Natur in Frieden! Verunstaltet sie nicht mit überdimensionierten Beton- oder Stahlklötzen – egal welcher Form! Integriert eure Marterl in die Natur, aber verändert nicht das Bild dieser wunderschönen Landschaft!




wie verrückt ist das denn????
Statue, gut und schön, aber diese und dort ist ja wohl absoluter Schwachsinn.
die Natur wird sich früher oder später rächen, ausbaden können wir es dann alle, auch jede die nichts von solchen Verunstaltungen halten.
schönen Dank auch, als gäbe es keine anderen Probleme auf dieser Erde, es geht nicht immer nur um die Größe, schön langsam sollte sich das herumgesprochen haben…
Kommentar von Brikko — 31. Mai 2008 @ 16:18
jep. das ist echt nur verrückt. und wie du sagst, das geld kann definitiv für bessere projekte verwendet werden. zum beispiel könnte man alle projekte von kiva.org auf einmal unterstützen
Kommentar von Autor ohne Talent — 31. Mai 2008 @ 22:36
Zumindest wäre das Ding auch für außer Kontrolle geratene Flugzeuge ein unverfehlbares Ziel. Wenn es nicht davor von einem Unwetter umgenietet wird. 2,8 Millionen in Form von Betontrümmern am Berg. Wie nett.
Ich glaube nicht, dass das durchgeht. Ist doch wirklich Schwachsinn.
Kommentar von Anonym — 2. Juni 2008 @ 22:16
Das mit den Flugzeugen hat schon was.. Wer weiß, wer da auf dumme Ideen kommen könnte?
Kranke Welt..
Kommentar von lexxa — 3. Juni 2008 @ 16:16
Ich wohne ein paar Hundert Meter entfernt von der Predigtstuhlbahn und bin vorgestern mal wieder hochgewandert. Ich finde, die Vorstellung einer Jesus-Statue dort oben sehr reizvoll. Es wäre eine Art Weltwunder. Viele Pilger würden kommen und das Flair der Gegend hier bereichern. Und viel würde gespendet für Kinder und Jugendliche. Es ist ja nicht nur bloße Geldausgabe, sondern es würde ja auch Geld hereinkommen. Warum also nicht? EIne Attraktion für den etwas behäbigen Kurort Bad Reichenhall wäre es alle Male.
Ich finde, der Stadtrat sollte die Chance am Schopf ergreifen. Aber noch hat er ja nicht ja gesagt…
Und warum sollte das Christentum nicht auch mal Flagge zeigen? Tun die anderen Religionen doch auch, ich erinnere an die jetzt geplante islamische Moschee in Köln-Ehrenfeld, deren Minarette auch eine stolze Höhe von 55 Metern erreichen sollen.
Kommentar von Predigtstuhler — 4. Juni 2008 @ 20:11
Alles schön und gut, warum muss es dann aber ein “Abklatsch” der Rio-Statue sein?
Warum nicht etwas Eigenes schaffen, etwas, womit sich die Gläubigen hier eher identifizieren können und nicht lediglich Fernweh nach Rio bekommen, sollten sie da hochsehen!?
Wozu die Aussage “Das wird Rio in den Schatten stellen”? Ich finde das alles erbärmlich, ehrlich.
Touristische Profitmacherei – nichts weiter. Von wegen “christliches Zeichen”. Das steht schon seit 1931 am Corcovado in Rio. Lasst euch doch selber etwas einfallen!
Kommentar von lexxa — 4. Juni 2008 @ 20:29
Sieht doch ganz nett aus, könnte sich gut als Basejump- oder Paragleitstartrampe eignen! (Vorausgesetzt die bauen da einen Aufzug ein, inklusive Panoramarestaurant zwischen beiden Ohren)
Nimms mal etwas sportlicher, liebe Lexxa!
Kommentar von Chilly — 6. Juni 2008 @ 23:19
Ich komm auch aus der Gegend und sollte es wirklich soweit kommen, werde ich gegen den Bau demonstrieren…so ein Ding in Rio reicht, denke ich!!
Wenn unbedingt ein christliches Symbol für die Predigtstuhlpilger, dann irgendwas mit tieferer symbolischer Bedeutung und nicht so einen “Abklatsch”, mit dem man hofft, noch ein bisschen besser und noch ein bisschen größer zu sein…
Kommentar von Anonymus — 14. Juli 2008 @ 15:02
Wenns zu einer Demo kommen sollte, bin ich auf alle Fälle auch dabei! Hoffen wir mal, dass dem nicht so ist..
Kommentar von lexxa — 14. Juli 2008 @ 19:26
Nun, im Moment wird die Statue ja nicht gebaut werden, da sich Bad Reichenhall dagegen entschieden hat.
Ich finde es traurig, das sich die Bad Reichenhaller diese Chance haben entgehen lassen.
Auch kann ich die Gegner, aber auch die Befürworter verstehen, und bin in beiden Situationen hier direkt mit involviert.
Meine Gedanken aber hierzu sind, das es bestimmt keine Abkupferung einer Statue in Rio sein soll, sondern ein christliches Zeichen für alle – und das ist nun mal Jesus Christus.
Meine Gedanken sind die, das die RELIGION hier sich mit einmischt, das es den Katholiken dort wohl ein Dorn im Auge ist, sich nicht an dem Geld bereichern zu können, sondern ein Verein bzw. eine Stiftung die mit involviert ist.
Wenn man das alles in einem großen Ganzen betrachtet, dann hat es im Grunde genommen nur positive Auswirkungen hierbei. Selbstverständlich muss man auch die Natur mit einbeziehen, und das Volk – doch sind wir mal ehrlich zueinander – wieviele Milliarden gibt unser lieber und hoffnungsvoller Staat aus, für Projekte, die hinterher wieder eingestellt oder sich nutzlos zeugen aus? Wer bekommt die Milliarden von hinausgeworfenen Gelder? Wieviele sinnlose Denkmäler gibt es, und wieviele Familien könnten hierbei unterstützt werden?
Sollte die Statue verwirklicht werden – egal wo, dann würde es zum einen Tourismus bringen, Menschen aus anderen Ländern würden hier bei mit integriert werden können, es würden sich hier Arbeitsplätze ergeben, und das ist alles nur ein ganz kleiner Auszug aus dem, was es bringen würde.
Nur ein Dummer würde sich verwehren, so einer Wirtschaft entgegen zu sprechen ( nicht böse gemeit) – und Bad Reichenhall hat es getan – Respekt….
Wir heißt es im Volksmund so schön – die letzten werden die ersten sein….. und wenn diese Statue verwirklicht sein wird, werden die, die an erster Stelle standen… aber gut – so spielt das Leben nun mal.
Es wird immer verschiedene Meinungen geben, jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, aber auch darauf, seine Arbeit zu erhalten – und das ist das was zählt….
…was sind da läppische 2,8 Millionen gegen dem, was der Staat verschenkt oder???
Kommentar von Faith — 7. Oktober 2008 @ 16:55
Liebe/r Faith,
danke für deinen Kommentar hier bei mir – es ist schon gut, sich auch die andere Seite anzuhören. Aber ich für meinen Teil halte noch immer nichts von dem Projekt.
Warum muss die Statue denn ausgerechnet auf einem Berg stehen? Ich kann mir schon vorstellen, dass Leute anderer Religionen durch diese “übermächtige” Ding, das einfach immer auf einen herab sehen wird, gestört fühlen könnten. Ich finde einfach, man sollte die Natur da raus lassen und schon gar keinen Tourismus mithilfe der Religion betreiben.
Kirchen sind doch auch christliche Symbole – reichen die denn nicht mehr? Man könnte aber so eine Statue auch einfach an einem Platz aufstellen, oder?
Ich bin eine ziemliche Natur- und Berg”fanatin”, und ich finde einfach, dass man die Natur und ihr Bild auch “natürlich” belassen sollte.
Nun ja, zurzeit steht die Realisierung eh nicht zur Debatte, somit bin ich eigentlich guter Dinge..
Liebe Grüße!
Kommentar von lexxa — 7. Oktober 2008 @ 20:41