
Hilfe! Ich kann mich einfach nicht entscheiden! Die letzten Tage vor Start der EM sind angebrochen und ich setze mich zum ersten Mal in meinem Leben mit dem Thema Fußball genauer auseinander. Nicht nur, dass die Zeitung, bei der ich arbeite, mich auf jede mögliche (und unmögliche) Pressekonferenz zum Thema schickt, nein, ich wollte es genau wissen und beteilige mich bei den Salzburg-Volunteers im Medien-Center. Als ob mir sonst langweilig wäre, aber gut. Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass das kleine, verschlafene Salzburg ein Event dieser Größe beherbergen darf. Und nur zusehen ist auch nicht lustig.
Jetzt aber zu meinem eigentlichen Dilemma.
Wer wird’s? Da kommen für mich nur 2 Länder in Frage. Spanien oder Portugal. Warum? Ganz einfach. Mit Kenntnissen zu spielerischen Stärken hat dies jedoch rein gar nichts zutun. Fangen wir mit den Argumenten für Portugal an. Die liebe Brikko hat die visuellen bereits vor einiger Zeit dokumentiert, daher kann ich dieses Argument als abgehakt betrachten. Danke dafür by the way, was für ein Augenschmaus!
Es war einmal, vor ziemlich genau einem Jahr, ein Mädchen aus Österreich, das sich an einem warmen Sommerabend in Bracelona mit ihrem damaligen Freund und dessen Freunden traf. Ein nettes Stelldichein in irgend einer WG. Viel Bier, ein Haufen Tapas und noch mehr Wein waren ebenfalls anwesend. Der Freund der Österreicherin – ein Portugiese aus Lissabon. Und ein völliger Fußball-Freak, jedoch auf der aktiven Seite – nicht die Couch-Fernbedienungs-Bierflaschen- fraktion, nein – einer, der wusste, wie ein Ball ins Rollen zu bringen war (und das gleich in mehrerlei Hinsicht, aber das wäre eine andere Geschichte).
Irgendwann spätabends machte sich die Truppe auf den Weg, um das Nachtleben Barcelonas auf den Kopf zu stellen. Und wie es das nächtliche Leben auf Spaniens Straßen so verlangt, wurden am Weg noch ein paar (wenige) Biere getrunken. Aus Dosen. Denn die werden einem bekanntlich überall hin nachgetragen. Und wie war es anders zu erwarten – als sich die erste Dose geleert hatte, wurde diese auch schon zum Fußball umfunktioniert. Portugiesen am Kicken am Plaza Real im Herzen Barcelonas. Und hätte das ansonsten so vernünftige österreichische Mädel nicht auch ein paar Bier intus gehabt, wäre sie wohl nicht auf die Idee gekommen, da mitmachen zu wollen. Aber sie wollte es. Und tat es auch. In FlipFlops versteht sich. Und sie hielt sich wacker bis zu dem Moment, als sie einen Randstein übersah und ein Abseits in einen gebrochenen Zeh verwandelte. Schmerzhafte Sache, aber die Jungs honorierten den Einsatz mit einer gesungenen Laudatio auf den österreichischen Fußball. Die Ironie an der Sache lassen wir mal lieber weg – ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich überhaupt keine Ahnung hatte, wohin ich diese Dose eigentlich kicken wollte…
Warum Spanien? Naja, zum Einen, weil ich dort gelebt, geliebt, gearbeitet und studiert habe. Weil ich es liebe, dieses Land, die Sprache, das Leben, die Leute. Und weil ich das für mich einprägsamste Spiel auf Ibiza miterleben durfte. In einem Lokal, gefüllt mit Briten. „Mein“ Portugiese und ich waren die einzigen „Einheimischen“ beim Spiel Barcelona gegen Madrid. Madrid hat gewonnen. Den Briten war’s wurscht. Die saufen so oder anders, als ob es kein Morgen gäbe. Aber Österreich und Portugal, beide zu diesem Zeitpunkt in Barcelona beheimatet, waren doch etwas enttäuscht. Aber auch das nicht lange. Schon am nächsten Tag, im legendären Café del Mar, war alles vergessen und die Zeit schien still zu stehen beim schönsten Sonnenuntergang auf den Balearen.. Schade eigentlich, dass sie das nicht wirklich kann, die Zeit…
So. Spanien oder Portugal?
Klar freu ich mich auch für die Österreicher, wenn sie weiter kommen, aber mit der rot-weiß-roten Fahne werd ich die nächsten Tage trotzdem nicht herumlaufen. Mit Spanien und Portugal setzt man dann doch auf wahrscheinlichere Siegeskandidaten.
Ich weiß, was ich mache. Ich drücke meine Daumen für beide. Dann ist die Wahrscheinlichkeit für freudige Momente eindeutig höher. Verzwickt wirds nur, sollten sich die beiden im Finale gegenüber stehen. Aber wer wird denn so weit vorausdenken wollen
Ich freue mich ganz besonders auf den 18. Juni, auf Spanien in Salzburg, auf Spanisch in den Straßen und auf ein hoffentlich gewonnenes Spiel gegen die Griechen.
¡Bienvenido en Salzburg, España! Que os vaya bien en este partido…





Hmm, schwierige Entscheidung. Man könnte es auch so sehen: Bei großen Turnieren haben die Spanier noch nie wirklich viel reißen können und ihre Gruppe ist sicherlich auch schwieriger als die der Portugiesen.
Dafür hat Spanien den Vorteil, dass sie erst im Finale auf Deutschland treffen können, wo sie natürlich verlieren würden.
Schade, dass Dänemark nicht dabei ist, sonst wäre ich für die gewesen.
Kommentar von konna — 3. Juni 2008 @ 22:05
Na – da wäre ich richtig gespannt! Portugal gegen Deutschland – meine Kumpels in Bayern würden mich köpfen, oder mir den Mund verkleben, aber darauf werd ichs ankommen lassen!
Spannend und lustig wirds auf alle Fälle!
Kommentar von lexxa — 4. Juni 2008 @ 00:29
Dieses Jahr ist es wirklich verdammt schwer, den Favoriten vorauszusagen. Konna hat Recht: Spanien hat oft die beste Mannschaft (so auch bei der WM 2006), scheidet aber IMMER zu Beginn der Finalrunde aus und keiner weiß wieso. Portugal hat mit Christiano Ronaldo den derzeit besten Fußballer (mindestens) Europas in den eigenen Reihen. Aber der Rest der Mannschaft ist in weiten Teilen mäßig. Holland und Tschechien sind wieder sehr gut. Beide schießen aber auch oft Böcke und verlieren Spiele mit viel Pech.
Vielleicht wird es dann eine der typischen Turniermannschaften Frankreich, Italien oder Deutschland, die meistens schwach anfangen, sich irgendwie ins Halbfinale durchmogeln und plötzlich immer besser werden. Aber vielleicht wird es auch wieder ein Überraschungsteam wie beim letzten Mal Griechenland. Es ist einfach schwer vorauszusagen, weil es bei einer EM keine schlechten Mannschaften gibt.
Mein Geheimtipp ist die Schweiz (sorry, nicht Österreich…): gut besetzter Kader, Heimvorteil, Underdog. Die könnten’s weit bringen. Allerdings habe ich das bei der WM 2006 für die Schweiz auch schon gedacht. Da haben sie aber grottenschwach gespielt – und sind trotzdem ins Viertelfinale gekommen.
Also lassen wir’s lieber mit den Prognosen und lassen uns überraschen.
Kommentar von Jay — 4. Juni 2008 @ 10:02
Wow – aufhören BITTE!!!!!!

So viel Fachwissen desillusioniert mich..
Ihr werdet mir die Spanier nicht ausreden, und damit basta
Ach Jungs, was werd ich bei euch für einen Kommentar schreiben, sollte ich Recht bekommen! Juhuuuuu!!
Cheers.
Kommentar von lexxa — 4. Juni 2008 @ 20:35
Wer hat’s erfunden?
Kommentar von Chilly — 6. Juni 2008 @ 23:12
Was denn? Die Zuckerl? Natürlich ihr! Das wars dann aber auch!!!
Kommentar von lexxa — 7. Juni 2008 @ 21:19
Deutschland wird Europameister, weil:
Nur die DFB-Elf es als Gurkentruppe, deren Trainer im Übrigen ein Suppenkasper war, ins Finale geschafft hat. (WM 1986). Die WM-Elf ging als KTZ (Klopper, Treter, Zerstörer)-Mannschaft in die Geschichte ein. Obwohl, wenn ich so nachdenke: Die Pennertruppe 2002 war noch schlechter: Mit einem Bomber wie Carsten Jancker im Sturm ins Finale zu kommen, macht uns in 100 Jahren keiner nach.
Nur die DFB-Elf mit einer KSV-Vorbereitung (Karten spielen, saufen, (Nutten) vögeln) ins Finale geschafft hat (WM 1982). Brasilien hat vor zwei Jahren versucht, diese knallharte Vorbereitung zu kopieren – Ergebnis: Aus im Viertelfinale.
Nur die DFB-Elf auf der gesamten Welt total beliebt ist; nicht nur aufgrund des schönen Fußballs, den wir spielen, sondern insbesondere auch durch das außerordentliche Talent, immer den jeweiligen Gastgeber aus dem Turnier zu werfen: EM 1972 (Belgien), WM 1986 (Mexiko), EM 1992 (Schweden), EM 1996 (England), WM 2002 (Südkorea), EM 2008 (kann sich jeder selber denken).
Es in den kommenden drei Wochen eh nur pisst (hab ich im Urin), wir die Regenspezialisten sind (WM 1954, WM 1974, EM 1980) und die anderen Regenspezialisten (England, die die immer im Elferschießen gegen uns verlieren) nicht dabei sind.
Fazit: Dreckig siegen ist geil, nicht nur, weil unsere weißen Trikots dann so schön braun und grün sind.
Spanien wird es nicht, denen fehlt längst der Killerinstinkt. Den letzten Titel ham die 1960 geholt, das war noch zu Francos Zeiten.
Kommentar von AxI Ronnie — 8. Juni 2008 @ 15:49
Mein lieber Ronnie, da Urin bekanntlich die Toilette hinunter gespült wird – oder sonstwo im Erdreich versickert, gebe ich für meinen Teil nicht viel darauf
Und was die Vergangenheit betrifft – möge diese ruhen, denn sie ist vergangen. Ihr Deutschen baut immer zu viel auf ein „history repeating“, aber es braucht z.B. nur euer Tormann einen schlechten Tag zu haben – (die Freundin hat ihn betrogen oder wasauchimmer) oder gar einen Sonnenstich erleiden (a la „Hitzeschlacht von Lausanne“), und schon wars das mit der EM.
Portugal hat mir gestern schon zu einem freudigen Moment verholfen, die Spanier werden das auch tun, da bin ich mir sicher – ich hab das im Bauch
Und ganz lustig wirds am 16. Da hab ich auch so ein Bauchgefühl..
Cheers.
Kommentar von lexxa — 8. Juni 2008 @ 16:06
[...] dem achten Spieltag die Interesse rapide nachgelassen hat. Aber die Blogosphäre ist gespalten. Alexa hilft zu Spanien, Malte zu Deutschland – Und diese Gespaltenheit zieht sich natürlich durch die [...]
Pingback von Das Finale. Deutschland gegen Spanien. « Neon Wilderness. — 29. Juni 2008 @ 21:11
Ich bin beeindruckt, du hast es wirklich vorausgeahnt. Ich verneige mich vor diesen hellseherischen Fähigkeiten.
Kommentar von Konna — 30. Juni 2008 @ 14:12
ich habs gewusst , ich habs gewusst!!! hihi, und wie!!!
wir waren am feieren, in rot gelb,rot und der bildbericht dazu wird folgen.. anfang naechster woche!
Kommentar von lexxa — 1. Juli 2008 @ 12:02
Naja, es war ein verdienter Sieg, auch wenn ich lieber einen anderen Sieger gesehen hätte.
Kommentar von konna — 1. Juli 2008 @ 17:23