Also gut, gleich mal vorweg: Gestern als ich anfing das hier zu schreiben, war es Montagnacht und ich hatte in 4 Tagen geschätzte 15 Stunden Schlaf hinter mich gebracht, war aber brav den ganzen (gestrigen) Nachmittag in der Uni (auch eine rein körperliche Präsenz zählt, sei hier angemerkt) und kam am Abend von einem lahmen Spiel und einer verregneten Salzburger Fanmeile nach Hause. Ich wusste bereits davor, warum ich mich in schwarz hüllen werde… Aber bevor ich hier lange um den heißen Brei herum rede – meine 2 Favoriten kennt ihr bereits, und wenn die Deutschen gegen uns Außenseiter, gegen uns „Ösis“ schon nicht mehr als 1 unspektakuläres Tor zustande bringen, dann werden sie am Donnerstag in den ersten 10 Minuten von den Portugiesen so dermaßen vom Platz geschossen, dass ihnen Hören und Sagen vergeht. Und ich werde jubeln. So viel sei am Rande bemerkt.
So. Jetzt aber zurück zum wirklich Erzählenswerten der letzten Tage. Nova Rock 2008, Pannonia Fields, Nickelsdorf. 160.000 Verkaufte Tickets. Are you ready to Rock? Und wie ich das war!
Ich bin etwas zerknittert, habe Ringe unter den Augen, einen steifen Hals und meine Stimme schon wieder einmal achtlos irgendwo zurückgelassen. Aber – und das ist das Wichtigste – es geht mir blendend, denn ich habe genossen, gesungen, getanzt, gelacht – kurzum so richtig gelebt! Ich habe viele nette Leute kennen gelernt, extrem geniale Musik gehört, viel getrunken, heiß und fettig gegessen und fühle mich trotz extremem Schlafdefizit wieder um einige Jahre jünger. Wo fange ich am besten an mit diesem Festival-Bericht? Am Freitag. Um 5 Uhr in der Früh, als nach 4 Stunden Schlaf der Wecker ging und ich angesichts der draußen eintretenden Sintflut ernsthaft am Überlegen war, eine Arche Noah für die anstehenden 3 Tage zu mieten. Salzburger Schnürlregen und 12 Grad. Ehrlich Leute, das war um diese Uhrzeit wenig motivierend. Aber schlussendlich gings raus aus Salzburg, gute 400 km gen Osten ins schöne Burgenland, dort wo laut Wetterbericht die Sonne scheinen sollte.
Schönes Burgenland? Ich kam zu dem Schluss, dass ich nicht mal gegen Bezahlung dort wohnen würde. Niemals. Außer Windräder gibt’s Felder. Und noch mehr Windräder. Und aus. Neee, nicht mit mir, niemals.
Nichts gegen Windräder, angesichts der heutigen Probleme rund um die Energiegewinnung sind sie unerlässlich, aber ich für meinen Teil brauch’ sie nicht vor der Nase. Aber den Orkan, der am Freitag durch Burgenland fegte, brauchte auch niemand. Dafür aber blieben wir vom Regen verschont. War aber auch irgendwie klar, das mit dem Regen. Am Nuke 2006 oder die letzten Jahre am Frequency hatte ich niemals Gummistiefel dabei – und versank jedes Mal im Schlamm. Heuer waren sie dabei, und ich brauchte sie genau einmal. Mehr dazu aber später.
Wind war auf alle Fälle besser als Regen, vor allem, weil ich kein Zelt aufbauen musste! Ich wollte wissen, wie festivaltauglich mein lieber, kleiner Peugeot – auch Babe genannt – ist, und muss sagen: ja, Babe ist durchaus festivaltauglich. Das einzige Manko das Babe hat ist, dass er schwarz ist. Da kanns einem ab 9 in der Früh, eingewickelt in Schlafsack und Kapuzenpulli recht warm werden, aber gut, diesen Kompromiss konnte frau eingehen. Die Sitze habe ich zum ersten Mal in 9 Jahren abmontiert und den Kofferraum nach hinten geklappt: voilà – das Wohn- und Schlafzimmer für die nächsten 3 Tage war aufgebaut! Mein Schwesterherz und ihre bessere Hälfte bekamen beim Aufstellen ihres Zeltes tatkräftige Unterstützung vom Herrn Landeshauptmann se GerdA, ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle…


Nun zu den Bands. Beginnen wir am Freitag. Wir waren ab 14 Uhr am Gelände. Nach einem bewaffneten Wald-Wiesen-Wandertag, denn egal von welcher Seite wir rein wollten – 30 Minuten Fußmarsch standen jedes Mal am Programm. Somit war auch das Sportprogramm abgedeckt, betrachtet man das von der positiven Seite. Denn mein ansonsten tägliches Laufprogramm habe ich dadurch ausfallen lassen können. 
Ich schweife ab. Zurück zu den Bands. VOLBEAT. Ja alter Schwede, die Jungs gingen anders ab. Ich mag sie schon lange, aber dass sie live auch derart rocken, hätte ich mir nicht gedacht.
Ich war also am Shaken, mein wertes Schwesterlein am Personenidentifizieren anhand der Tattoos, die aus ihrer Nadel stammen. Was für ein Spaß, ich war beeindruckt. Kann sich wohl auch sehen lassen, was meine Kleine so fabriziert…
ROSE TATTOO danach waren auch genial, aber vor lauter Lachen, Reden und Trinken hab ich da nicht mehr viel in Erinnerung, was ihr musikalisches Können betrifft. Es sei mir bitte verziehen 
Am Abend gings erst Mal zu CAVALERA CONSPIRACY. Die Brothers wieder vereint, Iggor uns beiden noch gut aus der alten Sepultura-Zeit bekannt. Aber da zeitgleich NOFX am Werken waren, wurde gewechselt. Kult eben, die Jungs. Und danach? DIE ÄRZTE. Was soll man zu den Jungs noch sagen? Wer kennt sie nicht? Dass Farin gerne und viel redet, wissen wir alle – ich darf zitieren: „Wir fahren zurzeit mit de Tourbus durch die Welt – ich übersetze: Deutschland, Österreich, Schweiz!“ Bei der Meldung hab ich mich kurz verschluckt vor lachen – ach Farin, wir haben dich ja auch lieb!
„Wir müssen aufhörn’ weniger zu trinken…“ – Danke, wir haben dich beim Wort genommen!
„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär’ nur deine Schuld wenn sie so bleibt!“ – Kurzes Grübeln… Ja? Nein? Wie jetzt? Weitertrinken. Tanzen. Egal. „Denn ich bin 1000 Mal besser als wie du.“ – Danke, das weiß ich auch schon. 
Alles in allem – der Abend endete ziemlich feucht-fröhlich.
Samstag, 14.6. Schon lange nicht mehr habe ich mich derart zerknautscht gefühlt. Babe ist nicht ganz so kuschelig, wie ich mir das zu Beginn gedacht hatte. Babe bescherte mir kleine Verrenkungen und einen steifen Nacken. Wenn Babe nicht Babe gewesen wäre, hätte ich mich eventuell sogar darüber gefreut. So war ich aber zu Beginn nur grantig und begann gleich den nächsten Fehler: Duschen. Eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt. Dann steht man noch mal ne halbe Stunde an um schlussendlich in einer Duschkabine zu stehen, aus der das Wasser geradezu enthusiastisch heruntertropft. Ja, tropft. Und dann schimpfen die hinter einem auch noch, wenn man nicht nach 10 Minuten fertig ist!? Also, das war nicht mein bester Start in einen Tag. Gar nicht.
Aber es ging rasch wieder bergauf mit der Laune, schließlich gibt es Freunde, die einem durch gezielten Alkoholkonsum direkt nach dem Munterwerden den Tag versüßen:
N: „Du, der T. hat gesagt, sein Mund würde schmecken, als ob ein Eichkätzchen darin geschlafen hätte…“ Aha.
A: Du, T., woher weißt du eigentlich wie es schmeckt, wenn ein Eichkätzchen in deinem Mund schläft?“
T: „Liebe A., das willst du nicht wissen.“ Vermutlich hat er Recht.
L. beim Packerlsuppenkochen: „Wisst ihr, wenn die Nudeln über-al dente sind, gehen sie gegen die Figur. Wenn sie aber al dente sind, dann passts.“ Hier dürfte vermutlich L’s Versuch fehlgeschlagen sein, das übernachtige Eichkätzchen aus der Mundregion mittels Bier zum Frühstück zu vertreiben. T. sollte seine Weisheiten doch besser für sich behalten.
Am Festivalgelände gabs außerdem diese geschäftstüchtigen jungen Herren zu bewundern, leider habe ich sie nicht gefragt, wie ihre Zwischenbilanz aussieht. Schlampige Arbeit, Frau Journalistin.

Die BEATSTEAKS waren mein Highlight des Abends, aber auch erst nach den ersten 3 Nummern. Denn Arnim klang zu Beginn, als wäre er am Ausnüchtern. Ein übles Rumgegröle, bevor er endlich die Töne traf. Guter Herr, das kannst du besser, wir wissen das. Alles in allem haben die Jungs aber in alter Manier richtig Gas gegeben und Stimmung gemacht. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich MOTÖRHEAD als Hauptact ausgelassen habe. Ich darf mich auf meinen Zustand ausreden. Ja, ich war bedient und wollte nur mehr zu Babe. Weil er doch so kuschelig und weich ist und immer auf mich wartet.
Der Morgen danach gab meinem Schwesterherz und ihrer besseren Hälfte Grund zur Kapitulation: Es regnete. 7 oder 8 Uhr Früh war es zu diesem Zeitpunkt. Ich saß in meinem Babe und sah etwas verdutzt dabei zu, wie die beiden in strömendem Regen das Zelt abbauten – ach was heißt hier strömender Regen, es wurde immer schlimmer und goss aus Kübeln und ich fragte mich nur, warum die beiden nicht wenigstens warteten, bis das Schlimmste vorbei war. Naja, wenn meine Kleine sich was in den Kopf gesetzt hat… Ungarischer Sturschädel nenn’ ich das und kenne das von mir selber nur zu gut. Nur mein ungarischer Sturschädel befahl mir, in keinem Fall zu kapitulieren und zwang mich, einfach weiter zu schlafen. Und siehe da – um 11 Uhr Mittag wachte ich auf und ging auf die Suche nach Sonnencreme – das einzige Utensil, das ich vergessen hatte! Somit sah das Mittagsprogramm wie folgt aus: Katzenwäsche, Bikini, viel Kaffee und sonnen. Herrlich.
Und der Abend? Auf den freute ich mich ganz besonders. Aber der Reihe nach: Um 19 Uhr standen DISTURBED auf der RedStage. „Down with the Sickness“ und „Shout 2000“ begleiten mich schon lange und „Indestructible“ live auf dieser Bühne war einfach ein Wahnsinn. David Draiman’s Stimme versagte nicht ein einziges Mal und klang live noch imposanter und eindringlicher als sonst Daheim oder im Auto. Aber gut, wer hat schon so eine Soundanlage Daheim stehen. 
BULLET FOR MY VALENTINE waren auch ganz ok, aber ich hatte zwischenzeitlich Hunger und wollte mich stärken für den wahren Grund, warum ich hier war:
INCUBUS. Brandon Boyd. Oh Mann..
Also – sein Einstieg war lasch, er hätte nicht mit einer Ballade anfangen müssen. Aber dann… Die ersten 3 Nummern konnte ich noch mittanzen, danach erwischte ich mich immer wieder dabei wie ich inne hielt und mit Gänsehaut und offenem Mund auf diese Leinwand sah – warum auch muss dieser bescheuerte Kameramann laufend Close-Ups von dem Typen bringen?? Aber das alleine war es nicht. Es war seine Stimme. Es waren die Emotionen, die da rauszuhören waren, wenn er mit geschlossenen Augen Love Hurts, Drive, I wish you were here, oder Pardon Me sang. Alles in allem jedoch wirkte Brandon etwas verloren auf dieser Bühne, etwas abwesend, und mir kam vor, dass er 10 Kilo zu wenig auf den Rippen hat. Er brachte sein Programm, ein wunderbares Programm, auch genügend alte und schnelle Nummern, aber er war nicht beim Publikum und gab uns auch keine Zugabe. Aber vielleicht lag es auch daran, dass er eben nicht der Hauptact war, nach ihm kamen RAGE AGAINST THE MACHINE.
Ich freute mich auch darauf, das Problem bei den Jungs ist meiner Meinung nach aber, dass sie nach einer halben Stunde immer gleich klingen. Jeder Nummer wie die andere, auch wenn sie noch so gut abgehen und Power haben, 1 ½ Stunden lang wird mir das Rumgeschrei dann doch zu viel. Etwas Melodie, ein wenig sinnvoller Text müssen es dann doch sein, sorry, das ist eben das Mädel in mir
Nach RATM gings für mich direkt Heim. Um 3 in der Früh. Und ich kann nur sagen, es war mühsam. Extrem sogar. Aber noch eine Nacht im Kofferraum von Babe? Nein. Ich wollte Heim. Und kam dort gestern um 8 Uhr morgens auch an.
Alles in allem: Es war ein sehr geniales Fest. Ohne Regen (während der Acts). Mit sehr netten Leuten und einem Line Up ganz nach meinem Geschmack. Aber beim Betreten meiner Wohnung schossen mir dennoch folgende Sätze durch den Kopf:
„Ich liebe meine elektrische Zahnbürste.“
„Ich liebe meine Dusche.“
„Ich liebe mein Bett.“



