Oder:
Mister Right vs. Mister Wrong.
Oder:
Von Jägern und Gejagten und solchen, die es anders gar nicht wollen.

Es ist schon so ein Dilemma, die Sache mit den Singlefrauen der heutigen Generation. Denn wagt man einen Blick zurück in der Geschichte, so lässt sich erkennen, dass die Zahl jener Frauen, die ihren Lebensabschnitt zwischen 25 und 35 Jahren ohne festen Partner verbringen, stetig am Steigen ist. „Die Frau im Alleingang – gar nicht so alleine“ könnte ein tröstender Slogan dazu lauten. Im Angesicht der Tatsachen jedoch klingt dies nach purer Häme. Oder nach der Realität eines traurigen Generations-Idealwechsel.
Immer mehr Frauen finden keinen Partner. Und zwar nicht, weil es keinen gibt, der sich für sie interessiert, sondern weil sie keinen finden, der sie interessiert. Für den sie sich aufrichtig interessieren. Oder ganz einfach immer wieder dem Falschen nachlaufen. Sie haben eine neue Rolle als Frau in der Gesellschaft, aber ein altes Beuteschema.
Dass Männer jagen und Frauen „erlegt“ werden, ist eine alte Weisheit, wahr ist diese Weisheit deshalb noch lange nicht. Und vielleicht hatten Frauen zu früheren Zeiten noch weniger Probleme, als sie einfach verheiratet wurden, als ihnen der „Richtige“ vor die Nase gestellt und ins Ehebett gelegt wurde. Aber die Frau von heute sucht selber. Damenwahl. Treffender: die Qual der Wahl.
Kurz ins Detail skizziert sehen wohlbekannte Situationen dann so aus:
Körpersprache und Gestik signalisieren dem Mann, dass er sich „anpirschen“ darf (wobei hier angemerkt sei dass er dies zuweilen auch macht, ohne die besagten Signale zu erhalten). Eigentlich kann er darauf nur reagieren und hoffen, dass er das erstens richtig tut und zweitens das hat, was sie will. Das Dilemma dabei: Frauen wissen mehr oft als selten nicht wirklich, was sie eigentlich suchen oder was sie wollen und lassen sich von Mustern und Gewohnheiten steuern.
Kurz gesagt: Sie haben ein gutes Händchen für Mister Wrong.

Wer ist eigentlich dieser ominöse Mister Wrong? Vielleicht ist es zielführend, zuerst einmal Mister Right näher zu beleuchten – zumindest jenen Mister Right, von dem viele Frauen meinen, dass er es wäre.
Eine Verallgemeinerung für alle Singlefrauen ist sicher nicht zulässig, dennoch: Mister Right ist regelmäßig Gesprächsthema befreundeter Singlefrauen und lässt sich grob als „richtiger Kerl“ beschreiben. Woraufhin sich die nächste Frage stellt: Was oder wer ist ein richtiger Kerl? Auch darauf gibt es klischeehafte Antworten. Ein Mann, der das alte Beuteschema lebt, es aber nicht zur Grundlage seines Seins gemacht hat. Ein Mann, der selber nicht leicht und immer zu haben ist und der Frau dennoch das Gefühl gibt, nur für sie da zu sein. Der Macho im Umhang des besten Freundes und Liebhabers – oder umgekehrt. Der Semi-Macho?
Einer, der seine Geheimnisse hat und der Frau nicht jeden Wunsch von den Lippen abliest. Denn das Fatale am alten Beuteschema: es ist zu gewissen Teilen auch auf die Frauen übergesprungen. Nicht die Jagd selbst betreffend, sondern viel mehr das Mahl danach. Die Frau von Heute braucht ihre täglichen Herausforderungen, und dies nicht nur in der Arbeit oder im Alltag. Nein. Auch in der Beziehung. Denn der Verlust des Reizes, der Herausforderung und der täglichen (Rück-)Eroberung kann viel anödender sein als die täglichen Haare im Waschbecken oder der Streit um die Fernbedienung. Ein Mann, der mit einer eigenständigen Frau an seiner Seite umzugehen weiß, sich ihrer bewusst aber nicht eifersüchtig ist und sie nicht versucht einzusperren.
Und warum nun ist Mister Right eigentlich so wrong? Das ist er gar nicht. Ein Fantasiegebilde kann so falsch nicht sein. Dennoch – dieses Wunschkonzert bleibt zumeist ein solches und die Singlefrau auch weiterhin eine solche, wenn – ja wenn sie sich nicht irgendwann einmal eine andere alte Weisheit zu Rate zieht die besagt, dass man ab und an zur Seite oder austreten muss, um das Gegebene aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die Schwierigkeit darin besteht allerdings im darauf folgenden Schritt: Nach dem Perspektivenwechsel auch das alte Beuteschema zu ändern. Sich auf Neues einlassen, ausprobieren und Mister Right nicht ständig als Vergleichsobjekt heranziehen. Und das ist leichter gesagt, als getan.
Richtig schwierig wird es bei jenen Singlefrauen, die pedantisch darauf achten, alle interessanten und interessierten Kandidaten in gekonnter Manier von sich fernzuhalten um konsequent jenen Männern nachzulaufen, die nur so viel Interesse zeigen, dass die Damen bei Laune gehalten werden und die Jagd nicht aufgeben. Denn Trophäen gibt man(n) auch nicht gerne her. Das alte Spielchen der Begierde dessen, das einfach nicht zu haben ist.
Und das wäre dann Mister Wrong in Person: aus Fleisch und Blut, ignorant und oberflächlich, kaltschnäuzig und rauh, immer am Absprung und doch so unendlich männlich. Was für ein ineffizientes Beuteschema, um nicht zu sagen Jagdinstinkt, der so gesehen auch den Frauen zugesprochen werden kann. Warum die Evolution an dieser Stelle nicht für etwas mehr Wirtschaftlichkeit gesorgt hat, wird wohl auch weiterhin ein Rätsel bleiben.
Das Problem dabei ist nur, dass auf diese Weise niemand glücklich wird, es sei denn unsere heutige Gesellschaft verwandelt sich auch weiterhin in Richtung zig hermetisch abgegrenzte und autonom fungierende Glasglocken gefüllt mit sich selbstverwirklichenden Burnout-syndromisierten Alleinkämpfer(innen) auf der Suche nach emotionslosen Kurzzeit-Abenteuern.
So. Und da alle oben genannten Argumente, Ansichten und Einschätzungen weder durch mir bekannte Studien belegt sind, noch Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erheben und zur Gänze meine persönlichen Erfahrungen wiederspiegeln, bin ich gerne bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen, bzw. freue mich, wenn es hoffnungsvollere Prognosen gibt. Immer her damit, die Kommentarecke ist offen!





Hach, es ist wirklich ein Dilemma mit der Suche nach dem richtigen Partner, da bekommt man ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt.
Was ich oft vermisse, ist der Willen zu Kompromissen, die Akzeptanz von Fehlern und Kleinigkeiten und vor allem auch Geduld, dass sich der Partner auch mit der Zeit ein wenig auf einen einstellen kann. Einen von vornherein perfekten Partner kann es eigentlich nicht geben und wenn man dann noch mit dem oder der Ex vergleicht, dann ist das Singledasein sowieso schon vorprogrammiert.
Und wenn man dann langsam alt wird, dann wirds langsam Zeit, dann muss man sich aber meist auf eine noch kleinere Auswahl beschränken.
Wie gesagt, ein Dilemma und meine Prognose sieht auch nicht gut aus, sorry!
Kommentar von Konna — 26. Juni 2008 @ 10:40
umgekehrt zwar auch nicht leichter, aber ja, das is ein großes dilemma und es wird mit jedem jahr schlimmer… bleibt nur hoffnungsloser optimismus und ein bisschen glück.
by the way, ich versuch jetzt wieder mal regelmäßiger zu schreiben u bei dir zu lesen. war schon wieder schwer nachlässig in letzter zeit.
Kommentar von michibeckinhell — 26. Juni 2008 @ 13:29
Text super geschrieben!
Problematik super umschrieben!
Kommentar von Autor ohne Talent — 26. Juni 2008 @ 15:48
…reicht das nicht schon als Dissertation, Frau Dr.Sommer? Fundiert, kritisch, multikausale Betrachtungen – das wird schon passen…
das „viele-Frösche-küssen= irgendwann Prinz“ Prinzip!
Gottlob kann man die ausschlaggebenden Bauch/Herz/Hirn Mechanissmen-Rezeptoren noch nicht bewusst steuern.. wer hätte sich da alles niiiiie kennengelernt. darüber will ich jetzt gar nicht nachdenken, das wäre viiiiel zu traurig!
Kommentar von stoots — 26. Juni 2008 @ 17:21
Schon lustig, dass bisher alle Meinungen nur durch Männer vertreten sind.. Mädels, traut euch!!
@ Konna: Schade.. Ich dachte, gerade du hättest diesbezüglich mehr Optimismus als ich parat.. Aber das mit der kleineren Auswahl je älter man wird? Die resultiert vermutlich wirklich nur aus den ewig steigenden Ansprüchen..
@ michibeckinhell: Ja hello, ein ganz seltener Gast! Freut mich! Hoffnungsloser Optimismus klingt gut. Du selber scheinst ja zur Zeit auch nicht gerade vom Glück verfolgt zu sein, wenn man dein Blog so liest.. Anscheinend ist Schreiben für dich auch mehr Therapie als sonst was? Aber eigentlich schade, dass du nur dann schreibst, wenn es dir nicht gut geht. Probiers doch auch mal wieder anders rum, das hat doch früher auch ganz gut geklappt! Vor allem wars schön zu lesen..
@ Stoots: Mein Lieber, du bist echt ein Wahnsinn. Ich liebe deinen Humor, ehrlich! Versüssen mir immer wieder den langen(Redaktions-)Tag – deine Kommentare!!
Frau Dr. Sommer? Wer außer dir käme sonst auf diese Namensgebung??!
Und Diss? Na, ich wär schon froh, wenn ich endlich ein passendes Thema für die Diplomarbeit finden würde!
Dix Bussl!!
Kommentar von lexxa — 26. Juni 2008 @ 18:02
..und nun noch eine männliche Stimme mehr, die sich so gerne als „Spam“ tarnt..
Herr Autor ohne Talent, ich danke Ihnen!
Was wäre denn deiner Meinung nach die eigentliche Problematik des Themas??
Kommentar von lexxa — 26. Juni 2008 @ 18:52
Tut mir Leid, dass ich nicht so viel Optimismus verbreite, was das Thema angeht, dafür habe ich da selbst zu viel Pech (oder zu wenig Glück, je nachdem). Da kann man nur noch auf das „Auf jeden Topf passt ein Deckel“-Prinzip hoffen.
Kommentar von konna — 27. Juni 2008 @ 02:13
nanana, etwas mehr yuhu, yux und juuudith sollts schon sein.
ma muss ja net glei super pessimistisch sein nur weil man allein durch die welt geht, oder?
ich mein, dass dieses thema mal eins der schwierigsten und undurchschaubarsten unseres lebens is, is ja nix neues, aber genau das machts ja so spannend.
und wie der nette herr coelho in seinem alchemisten ja schon sagt: „wer seinen lebensweg konstant verfolgt, kann sich gottes hilfe sicher sein“. also ich finde man sollt sich da net sonderlich stressn lassen, weil irgendwie passiert eh alles so wie es passieren soll. und wenn man grad allein is (o mann is das fein ab und an) kann man wenigstens tun und machen was man will, ohne auf irgendwen rücksicht nehmen zu müssen (freunde, eltern,… sind da natürlich ausgenommen).
hollaroitti, hias
Kommentar von hias — 27. Juni 2008 @ 19:57
..und was bewegt dich dazu zu meinen, die Protagonistin (sollte es eine solche überhaupt geben, der Text spricht von der Frau in der Mehrzahl) sei zur Zeit alleine??
Vielleicht ist sie das gar nicht, aber sich dessen bewusst, dass er wieder (oder noch immer) nicht der Richtige ist? Dass er Mister Wrong ist? Und dass Mister Right, von dem sie meint, dass er es wäre, nicht noch mehr wrong ist?
Die Qual der Wahl. Nicht die Qual des Alleinseins.
Aufmerksamer lesen, Herr Hias!
Aber prinzipiell stimmt das vom Alleinsein schon, wie du sagst. Ist auf alle Fälle oftmals stressfreier als sonst was..
Greetz und tuliööö…
..und by the way hätt ich jetzt echt mal gern weibliche Unterstützung hier in den Kommentaren!!
Wo soll denn das noch hin führen??
Adelante, chicas!!!! Ich brauch Unterstützung!!
Kommentar von lexxa — 27. Juni 2008 @ 23:15
…dann hoff ich aber das die angesammlte „Mr.Wrong“ Gang kein Internet hat und nicht gleich zum Frühstück kollektiv aus dem Fenster hüpft…
aber es geht doch um das Kribbeln BEVOR man herausfindet, dass es doch nicht so 100%ig passt – Vorfreude ist doch immer noch die schönste Freude! Schmachten… was gibts schöneres
Irgendeinen Grund hat es doch, wenn man beschließt sich mit einem Menschen näher zu beschäftigen… und dadurch passt das „Trial and Error“ Prinzip schon…
Ich schließ’ zur Sicherheit das Fenster damit ich doch nicht spontan aus dem verlockenden Erdgeschoßfenster hechte und mach’ mir zur Beruhigung einen Kaffee..Edelmischung – Vollendeter Kaffeegenuss!!!
have as save and sensational journey…!
Kommentar von stoots — 28. Juni 2008 @ 10:10
Ach Stootsie, nicht springen bitte.. Dann muss ich mir wieder das Gejammer meiner Kollegin in der Redaktion anhören, die die Polizeimeldungen bearbeitet..: „Salzburger Musiker gelähmt nach Hechtsprung aus dem Erdgeschoss – Motiv bislang noch unbekannt.“
Trial and Error? Ja schon, aber beinhaltet dieses Prinzip nicht auch den Umstand, dass man daraus LERNT??? Dass man es beim nächsten Mal besser macht?
Ich will die Damen ja nicht als doof bezeichnen, aber ein leichter Masochismus spielt da auf alle Fälle mit..
Na egal, Amsterdam calling und ich werd morgen in rot-gelb-roten Shorts am Münchner Flughafen stehen. Mit ganz groß „España“ am Allerwertesten.
Mal schaun, wie viel Toleranz unsere bayrischen Freunde aufbringen
Kommentar von lexxa — 28. Juni 2008 @ 11:48
Wie fast überall im Leben ist es auch hier so, dass man(n) oder auch frau genau das will, das er/sie nicht bekommt oder haben kann, hat er/sie es dann doch irgendwie gekommen, will er/sie es nicht mehr, denn der Reiz des Unerreichbaren ist verflogen und somit die Person uninteressant und das Spiel beginnt von vorn. Auf diese Weise wird uns nie langweilig, wir bleiben ewig auf der Suche, ob in einer oder ohne Beziehung ist dabei nicht unbedingt aussagekräftig, denn wie wir alle wissen ist Treue heutzutage aus unserem Wortschatz so gut wie verschwunden. Ob Mister Right oder Wrong ganz egal, Hauptsache ein echter Kerl, jung, knackig, gutaussehend, intelligent, wohlhabend, attraktiv, sportlich, einfühlsam, interessant, Freund, Liebhaber und das größte A… auf Erden, ja, ich glaube dann wäre es annähernd das, was wir uns so vorstellen.
Fazit: Sowas/ wen gibt es nicht!!!
PS: Vielleicht in Amsterdam, wir werden sehen…
Kommentar von Brikko — 28. Juni 2008 @ 18:41