..oder auch “amante”..
Ziemlich genau ein Jahr später sitzt er wieder vor mir – lebhaft wie immer und wild gestikulierend, sodass ich ständig Angst um diese zwei Gläser Bier habe, die zu stürzen drohen. Und mit einem Leuchten in seinen dunklen Augen erzählt er mir von ihr, sie die auch ich so gut kenne. Wie sehr er sie liebte, wie stürmisch und intensiv die erste Begegnung mit ihr war, wie sie ihm in den ersten vier Jahren alles und noch viel mehr gab.
Und er erzählte mir, wie dann der Zeitpunkt kam, an dem alles rapide den Berg runter zu gehen schien. Wie sie ihn einzusperren und einzuengen versuchte, ihm die Luft zum Atmen nahm und er nur noch weg von ihr wollte. Wie er sie dann betrog mit einer anderen, sie einfach stehen ließ und ihr für immer den Rücken kehren wollte.
„Typisch Mann“ – schießt es mir kurz durch den Kopf – „Durchhaltevermögen habt ihr nicht gerade mit Löffeln gegessen..“
Ganze fünf Monate betrog er sie in der festen Überzeugung, ohne sie leben zu können. Solange, bis er sich eingestehen musste, sie noch mehr als davor zu lieben, sie mit jeder Faser seines Körpers zu vermissen. Er ist wieder zu ihr zurück gekehrt. Und jetzt, da er wieder bei ihr ist, IN ihr ist, liebt er das Leben noch ein bisschen mehr als davor, liebt ihn das Leben noch ein bisschen mehr. Er ist ihr erlegen, dieser Stadt namens Barcelona, der Frau mit den tausend Gesichtern, die niemals schläft.
Und auf eine komische Art und Weise muss/kann ich ihm Recht geben. Denn in diesem Sinne darf auch ich mich zu jenen Glücklichen zählen, die in ihr eine Geliebte gefunden haben – eine Geliebte die einen fesselt und nicht mehr los lässt. Auch wenn ich noch keine fünf Jahre hier gelebt habe, so waren es insgesamt bereits 13 Monate in denen ich wie die anderen auch meinen Alltag inklusive Studium und Arbeit zu bestreiten hatte. Und auch ich kann mich daran erinnern, schon das eine oder andere Mal die Nase von ihr voll gehabt zu haben.. Dennoch – um nochmal auf die Story meines Freundes zurück zu kommen – es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied:
Auch ich bin ihr erlegen, aber ich ergebe mich widerstandslos und freiwillig!




Ja, der Unterschied um das Wissen, dass man Liebe nur erleben kann, wenn man auch den Mut hat sich ihr zu ergeben.
Wunderbarer Text.
Danke fürs verlinken, dem werd ich gleich nacheifern.
Kommentar von barfussinsalzburg — 26. August 2008 @ 23:45
ich bin derart verliebt, dass ich mich davor fürchte, sie wieder zu verlassen..obwohl es mir daheim auch irre gut gefällt..
ach – ich weiss auch nicht.. bleiben eben die billigflüge.. und die freude auf jeden besuch der geliebten..
warum eigentlich kann man nicht alles haben im leben??
fies ist das..
Kommentar von lexxa — 27. August 2008 @ 00:25
süsse, so ist leider das leben!
wenn man jedoch seine bedürfnisse und erwartungen ein wenig herunter schraubt, könnten wir alle so glücklich sein, es könnte alles so schön sein, weil wird dann auch wieder die kleinigkeiten in unserem leben genießen können und dürfen!
genieß deine zeit, trink einen glässchen oder zwei für mich mit, und ich freu mich schon, wennst wieder da bist!!!!
pass auf dich auf, hab dich ganz dick lieb!
bussl di klene bunte
Kommentar von niki — 27. August 2008 @ 11:10
schreib nicht so viel!!!! auch wenn’s schon gut ist..! Raus und die Geliebte genießen …dann aber wieder heim zu Mutti(sbg)… auf bald, bussi
Kommentar von stoots — 27. August 2008 @ 13:14
@ Stoots: ach – das schreiben erledigt sich quasi von selbst vorm schlafengehen
ausserdem hält es mich davon ab, “nur noch ein einziges bier” zu trinken!!
@ niki: wenn ich noch mehr gläser für dich mittrinke, dann brauch ich womöglich kein flugticket mehr für die heimreise!
freu mich schon auf dich, mein fräulein kunterbunt!!
Kommentar von lexxa — 28. August 2008 @ 21:42
Ist doch schön, wenn man sagen kann, dass man zwei Zuhause hat – oder eine Geliebte, während die alte Bekannte ganz ruhig auf einen wartet.
Kommentar von konna — 31. August 2008 @ 11:16
[...] dass sie auf mich schoss (man beachte: kurzer Vokal und voilà – ein “ss” folgt!!). Die Lady namens Barcelona. Obwohl – ein bisschen hat sie es vermutlich doch auf mich abgesehen. Ich komm’ von ihr [...]
Pingback von Suchende (2) « xhoch3 — 8. März 2009 @ 15:00
[...] wegziehen lassen. Und erst recht werde ich mich freuen, wenn ich das nächste Mal wieder zur „Geliebten“ [...]
Pingback von (e)motion on the railway « xhoch3 — 30. Juni 2009 @ 15:02