xhoch3

9. Juni 2009

Der Trick mit dem Klick

Gespeichert unter: Erkenntnisse, Sport, life — lexxa @ 23:20
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Und schon wieder sind es Zahlenspiele, die mich in ihren Bann ziehen. Die 15 ist es, mit der ich vor bald zwei Wochen zu jonglieren begann. Und um mein Vorhaben zu bekräftigen, will ich auch hier davon erzählen.
15 Jahre täglich. Der Griff zur Packung Zigaretten. Und ich belog mich selbst, wenn ich sagte, es wären 10 pro Tag. Weil es eher 15 waren. Oder eine ganze Packung beim Weggehen. Kein Bier ohne Glimmstengel, kein Café oder Spritzer. Und kein einziges Mal in den vergangenen 15 Jahren dachte ich ans Aufhören. Ganz im Gegenteil. Ich rauchte gerne. Mit Genuss. Nach dem Essen, nach dem Sport, als Pausenfüller und zum Dampfablassen. Als Raucher lebt man ein Leben voller Rituale, die scheinbar nicht mehr wegzudenken sind.

Ich sagte oft, ich würde aufhören, sobald es an die Planung eines eigenen Kindes ginge. Aber keine Sorge – noch ist es nicht soweit! Es machte ganz plötzlich und ohne jegliches Zutun meinerseits gehörig „klick“ in meinem Kopf.
Noch immer spekuliere ich über den Auslöser. Die fremde Umgebung? Ich war in Kroatien. Der tägliche Sport? Wir waren am Klettern. Die Truppe bestehend aus 19 Nichtrauchern? Oder die Tatsache, dass Zigaretten in Kroatien auch nicht wesentlich billiger sind als hierzulande? Ich wollte gleich einige Stangen mit nach Hause nehmen. Oder war es doch der Umstand, dass ich nun gleich lange Raucherin sein würde, wie ich Nichtraucherin war? 30 Lenzen zähle ich… Oder vielleicht lag es auch an der netten Rechnung, die mir einen Betrag von rund 1000 Euro jährlich vorsummierte. Oder 80 im Monat. Erschreckend! Und so einleuchtend zugleich…
Vermutlich haben sich alle diese Faktoren zu einem celebralen Supergau gesteigert. Denn plötzlich, nach ungefähr 4 vorangegangenen Spritzern und etlichen Zigaretten im Abseits, sah ich auf die 4 übrigen, ziemlich traurigen Nikotinspender in dieser Packung und beschloss, sie zusammen mit 2 weiteren Spritzern hintereinander zu rauchen und es dann endgültig bleiben zu lassen. Und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass mir die Entscheidung direkt danach nicht schwer fiel. Schlecht war mir für 3.

Tag 1 war dann ziemlich mies. Vielleicht lag es auch am Kater. Oder an der zu dünnen Schlafunterlage im Zelt. Aber ich war gerädert ohne Ende, als wir um 9 Uhr morgens zum Felsen aufbrachen.
Noch nie gehörte ich zu jenen Rauchern, die direkt nach dem Aufstehen zur Zigarette greifen. Aber so zwei Stunden später, nach dem Frühstück und zum Kaffee durfte es dann schon sein. Diesmal nicht. Und mein Körper erinnerte mich schmerzlich an dieses Defizit. Just in dem Moment, als ich auf halber Strecke einer Seillänge war. Ich fühlte mich ohnedies noch unbeholfen, da die letzte Kletterei ein Jahr hinter mir lag. Aber zittern und schweißnasse Hände?
Ich wollte nur runter. Und alleine sein. Fühlte mich nach heulen und tat es auch. Und dann lief ich. Fast 20 Kilometer die Küste entlang. Zurück kam ich 2 Stunden später, um eine Zerrung reicher, aber auch um dieses schier unbesiegbare Verlangen ärmer. Und nach drei Tagen kam mir vor, dass der körperliche Entzug überstanden war. Ich hatte genug zu tun, war den ganzen Tag in der Sonne, bewegte mich und hatte nur Nichtraucher um mich.
Back home kam die Stunde der Wahrheit. Und ich gestehe – ja, ich habe bereits gesündigt. Es ist nicht einfach, wenn Leute um einen sind, die rauchen. Wenn man wieder vor diesem PC sitzt, der immer in Kombination mit Zigaretten in Verwendung war. Aber – und das ist wichtig – es schmeckte nicht. Und ich ärgerte mich.
Vielleicht werden mir solche Ausrutscher noch ab und an passieren, aber Raucherin werde ich keine mehr sein. In meine imaginäre Kasse fließen nun täglich 3 Euro, die früher für Glimmstengel draufgegangen sind. Und das motiviert.
Aber auch das Berggehen hat sich mittlerweile verändert. Ich war zwar davor auch nicht unfit, aber letztens bewies mir mein Körper eindrucksvoll, dass er zu weit mehr fähig ist, als ich es anzunehmen wagte.
Bleibt nur diese eine Sache, die mir noch Kopfzerbrechen bereitet – die mit dem Schmecken und Riechen. Es ist anders. Besser. Intensiver. Aber wer wird’s mir danken? Im Internet kursieren Horrorstories von wegen „3 Kilo in einer Woche zugenommen“ usw. Und DAS – meine Damen und Herren, werde ich mit Sicherheit nicht zulassen. Ja, ich habe momentan vielleicht etwas häufiger die Schoki in greifbarer Nähe. Oder Soletti. (Aber auch Zahnstocher und Kaugummis!) Aber dafür gibt’s eben auch mehr Sport. Mehr Bewegung. Und dazu muss ich mich ohnedies nicht zwingen. Vor allem jetzt nicht, wo das Schnaufen mit jedem Tag einfacher und der Atem jeden Tag länger wird. Es fühlt sich an, als würden tausend kleine Männchen in meiner Brust sitzen und mit Meißeln eine blockierende Schicht bearbeiten. Und ich kann nur sagen – ja, es fühlt sich gut an.

Im Grunde genommen ist es nicht so, dass mir etwas weggenommen wird, wenn ich den Zigaretten entsage. Eigentlich wird mir etwas Großartiges zurückgegeben und das muss ich mir einfach immer wieder vor Augen halten.

Und zum Abschluss möchte ich noch ein nettes, aber nicht unbedingt vorbildhaftes  Zitat anfügen, dem ich mich in der Praxis dann doch nicht anschließen werde. Weil ich es nur einmal vorhabe und mir sicher bin, dass es machbar ist.
:mrgreen:

Foto: Kristallwasser

„Es ist ganz leicht, sich das Rauchen abzugewöhnen. Ich habe es schon hundert Mal geschafft.“ – Mark Twain

Hier noch der Link zum Fotoalbum „Croatian Rocky Picture Show„. Der Ort, an dem der Trick mit dem Klick gelang. Am 29. Mai um 22.04 Uhr.


17 Kommentare »

  1. Freut mich riesig für dich, dass du dem laster (oder der blöden angewohnheit) entsagt hast. hoff’ du hälst es durch! aber du hast ja einen starken willen!!! übrigens bist du meine „heldin des monats mai“…

    Kommentar von Tommy- Boy-Schwagerli — 10. Juni 2009 @ 11:28

  2. Danke Herr Schwagerli, das ehrt mich sehr! Und motiviert zugleich.
    Ich pack’ das auf alle Fälle!!
    Und vielleicht ziehen früher oder später noch mehr uns wichtige Menschen mit..
    Bussl!

    Kommentar von lexxa — 10. Juni 2009 @ 12:34

  3. Ich war ein sehr „guter“ Raucher-2 Schachtel pro Tag:)…eigentlich:( Aber nicht mehr! Seit einem Jahr rauche ich überhaupt nicht mehr.Da ich eines Tages fast ohne Atem blieb…naja, mein Gesund ist schon in Ordnung, aber das ist die Wahrheit:Zigaretten stören bei unserem Gesund und man kann sehr schnell davon sterben…Danke.

    Kommentar von Silke — 10. Juni 2009 @ 13:58

  4. Oh wie toll!!! Ich ziehe den Hut! Ich bin ne starke Raucherin und nehme natürlich auch die „Baby-Ausrede“ her ;-) . In meinem Freundeskreis rauchen 98% ! Ich kann und will noch gar nicht aufhören. Bzw. kann ich nicht, weil ich nicht will. Aber insgeheim wünscht es sich doch jeder Raucher. Und darum liebe Lexxa hast du meinen großen Respekt für diese Tat! Egal wie lange es anhält ob auf ewig, zwei Jahre oder ein paar Monate, es ist großartig und du kannst echt stolz sein. Zwei Daumen hoch!!!

    Kommentar von barfussinsalzburg — 10. Juni 2009 @ 20:31

  5. Denke auch, dass das eine gute Entscheidung ist. Verdient meinen vollsten Respekt, ich bin überzeugt, dass du das schaffen wirst – gibt einfach mehr als genuge Gründe, die für das Aufhören sprechen. :)

    Kommentar von konna — 11. Juni 2009 @ 08:38

  6. @Silke: Mein Respekt für alle, die es geschafft haben!

    @Barfussinsalzburg: Ich versteh’ dich voll und ganz. Für mich war es auch immer so, dass ich nicht ans Aufhören dachte. Und ich glaube, dass ist auch gut so. Denn ich habe viele Freunde erlebt, die es ganz wie Mark Twain im Zitat machten. Sie quälten sich hunderte Male und es führte zu nichts. Ich schätze mal, dass bei dir der Tag mit dem „Klick“ auch einfach irgendwann kommt, ohne dass du es planst. Und bis dahin – genieße es einfach. Wäre schade, wenn nicht! :grin:

    @Konna: Du hast gar nie erst angefangen damit, stimmts? Oder hast du mal probiert? Was wäre ich froh gewesen, wenn es mir nie geschmeckt hätte. Aber naja, besser jetzt aufhören als nie!

    Kommentar von lexxa — 11. Juni 2009 @ 09:30

  7. Bei mir ist es jetzt schon über 10 Jahre her, aber ich kann mich sehr sehr gut daran erinnern. Ich rauchte damals schon 13 Jahre lang und zuletzt wirklich viel (i.e. 25 Zigaretten pro Tag und nicht gerade die „Leichten“). Meine Gesundheit war mir nicht wichtig, das muss ich zugeben. Für jeden, der an Lungenkrebs starb kannte ich einen, der 90 Jahre alt wurde und heftigst rauchte. Man bastelt sich das so zurecht. Aber ich konnte auf einmal den Gestank nicht mehr ertragen. Ich rauchte in meiner Wohnung und alles stank danach. Meine Klamotten, meine Möbel – ICH. Als ich dann mal wieder wochenlang an einer Hausarbeit schrieb und mich nur von Zigaretten und Kaffee ernährte kam dieser Moment, in dem ich zur Nichtraucherin wurde. Ich machte zwischendurch immer Spaziergänge, um den Kopf frei zu bekommen. Und nach einem dieser Spaziergänge kam ich in die Wohnung zurück und ekelte mich. Es stank. Vermutlich tat es das schon an allen Tagen vorher, aber an diesem Tag drang der Gestank zu mir durch. Ich habe seitdem vielleicht noch 5 Zigaretten und 4 Zigarren gepafft. Auf Lunge kann ich schon lange nicht mehr. Leider reagiere ich auch heute noch auf den Geruch ziemlich stark :)

    Kommentar von Mellcolm — 11. Juni 2009 @ 11:42

  8. @Mellcolm: Wow, endlich treff ich (zumindest virtuell) jemanden, der es geschafft hat! Darf ich dich mit ein paar Fragen löchern? Auweia, davon hätt ich vermutlich hunderte, aber brennend interessiert mich, wie du gerade die ersten Tage bzw. Wochen nach der letzten Kippe rumgebracht hast? Was war „Ersatz“, wenn es so einen überhaupt gab?
    Und – hast du zugenommen?
    Ich hab grad die Panik davor.. Ich mach zwar ohnedies relativ viel Sport, aber dennoch..prinzipiell merk ich schon, wie der Appetit wächst. Pendelt sich das wieder ein?
    Momentan fühl ich mich einfach, als stünde alles kopfüber. Keine Zigaretten mehr, vom Schlemmen sollte ich auch die Finger lassen und Bock auf Weggehen und trinken habe ich auch nicht.
    Wie, liebe Mellcolm hast du es geschafft? Was war dein Geheimnis?
    Sorry für die vielen Fragen, aber ich bin wirklich für jeden Tipp dankbar!
    Liebe Grüße!

    Kommentar von lexxa — 11. Juni 2009 @ 20:57

  9. Nein, ich hab nie angefangen und das obwohl meine Eltern beide geraucht haben. Probiert habe ich schon und auf feuchtfröhlichen Partys schnorre ich mir auch manchmal eine, aber ich würde mir nie im Leben welche kaufen. :)

    Kommentar von konna — 13. Juni 2009 @ 18:07

  10. @Konna: Das ist die richtige Einstellung. Und deine Eltern haben geraucht? Sprich sie haben aufgehört, als du noch Kind warst oder so? Dann waren sie dir vermutlich das beste Vorbild, um gar nicht erst damit anzufangen..

    Kommentar von lexxa — 13. Juni 2009 @ 19:40

  11. Nein, sie haben aufgehört, weil ich sie konsequent damit genervt habe, dass sie aufhören sollen. Ist schon bzw. erst ungefähr 5 Jahre her. Und weil wir das Geld anderweitig viel besser gebrauchen können.

    Kommentar von konna — 16. Juni 2009 @ 21:26

  12. Vorbildlich! Schön, dass Eltern auch von ihren Kindern lernen können.. Und ja – es ist ein ganzer Haufen Geld. Das merke ich jetzt auch – wo es mir „über“ bleibt!

    Kommentar von lexxa — 16. Juni 2009 @ 23:02

  13. Hi, Lexxa!
    Durchhalten – ich bin seit 7 Jahren Nichtraucher und üüüüberglücklich damit!
    Aber der eigentliche Grund für meinen Besuch ist Blogoscoop, weil Du laut dieser Seite in meiner Salzburger Nachbarschaft bloggst. Und da wollte ich mal „hallo“ sagen :-)

    Liebe Grüße & alles Gute beim Rauchen-Aufhören!

    Gerry

    Kommentar von Gerry — 17. Juni 2009 @ 17:22

  14. Hallo Gerry!
    Ein Blogger aus der Nachbarschaft? Werd mich mal umsehen bei dir!
    Und danke für die Motivation, ist leider noch nicht ganz leicht immer zu widerstehen.. Aber das wird schon noch.

    Kommentar von lexxa — 17. Juni 2009 @ 22:07

  15. Wow! Nur weiter so! Ich war auch Raucher, lebe ohne Zigaretten seit fast 3 Jahren und muss zugeben, es geht mir viel viel besser!

    Kommentar von Sportwetten — 23. Juni 2009 @ 22:55

  16. Und, bist Du noch Nichtraucherin? Sei ehrlich ;-)

    Kommentar von Geheimrat — 7. Juli 2009 @ 22:32

  17. Ich „ziehe“ hin und wieder an fremden Glimmstengeln um jedesmal festzustellen, dass es mich wie auf einem Karussell dreht. Aber ich würde mich dennoch als Nichtraucherin bezeichnen, ja. Ich brauche sie weder in der Früh zum Kaffee, noch in den Pausen während der Arbeit. Und irgendwann will ich dann auch diese „Fremdzüge“ gut sein lassen.

    Kommentar von lexxa — 8. Juli 2009 @ 00:21


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