xhoch3

29. Juni 2009

ppt.deppensoftware.com

Gespeichert unter: Humor, Kurzgeschichte — lexxa @ 17:15

Wenn Schulz noch rauchen würde, würde sie sich jetzt eine anzünden. In der Kaffeeküche der Direktionsetage steht sie und stellt sich vor, was im großen Sitzungszimmer mit der Installation passiert: Jemand stößt versehentlich gegen den Beamer, und während er ihn geraderückt, verstellt er die Schärfe und hinterlässt fettige Fingerabdrücke auf der Linse. Jemand stolpert über das Kabel, weil das Klebeband, mit dem sie es gesichert hat nicht hält, und reißt den Beamer zu Boden.
Als Schulz dann aber in das Sitzungszimmer gebeten wird, scheint alles in Ordnung zu sein. Die Teilnehmer des Meetings verstummen, nur der CEO, Dr. Winter spricht noch mit Dr. Heimann. Als Dr. Winter Schulz endlich bemerkt, schaut er sie über den Rand seiner Brille an und sagt: „Also denn, legen Sie los, Schulz.“
Das ist der große Moment, auf den Schulz sich während der letzten vier Wochen so minuziös vorbereitet hat. Ihre Präsentation vor dem Firmenmanagement. „Zügig“, wie sie es gelernt hat, geht sie zum Beamer, schaltet ihn ein und klappt den Laptop auf. Aber noch beginnt sie nicht mit ihrer Präsentation. Sie nimmt Kontakt mit ihrem Publikum auf. Versammelt die Blicke auf sich. Denn hier steht die Coming Woman des Hauses und sie VERLANGT die verdiente Aufmerksamkeit der Unternehmensführung für das, was sie vorzubringen hat.

Es dauert ein paar quälende Sekunden, bis sie die volle Aufmerksamkeit besitzt, dennoch hängt sie noch ein paar weitere daran. Dann begrüßt sie die Runde und leitet sofort in ein Purpose-Statement über. Warum diese Präsentation? Wo stehen wir und wo wollen wir hin? Was ist das Ziel? Mit diesem Teil zielt sie voll und ganz auf Dr. Winter und Dr. Heimann ab, weil man mit dem Purpose-Statement bei der oberen Führungsebene die meisten Punkte erzielt. Die nachfolgende Agenda, eine Art Szenario der bevorstehenden Präsentation, richtet sie an die gesamte Runde. Dann legt sie so richtig los.

Die ganze Präsentation hat sie farblich auf ihr Äußeres abgestimmt. Viel Blau, viel Goldtöne, kein Grün und Rot nur äußerst sparsam. Sie verzichtet absichtlich auf einen Laserpointer und deutet lediglich mit ihrer offenen Handfläche auf die Punkte, die sie besonders hervorheben will. Das gibt ihr die Möglichkeit, immer wieder vor die Leinwand zu treten und ihn den Farbstrahl des Beamers zu tauchen. Wie zufällig werden Schlagworte wie „future“, „challenge“ und „success“ auf ihren Oberkörper oder den Rücken projiziert.
Schulz spürt, wie sie ihr Publikum in den Bann zieht. Wie sie eins wird, mit ihrer Präsentation.

Nach der letzten Folie ist es einen bangen Moment lang still. Dann beginnt Dr. Heimann zu klatschen, und der Rest der Runde stimmt ein.
Schulz verbeugt sich, klappt ihren Laptop zu und verlässt unter Applaus den Raum. Draußen rammt sie die Faust in die Luft und stößt einen lautlosen Triumphschrei aus. Drinnen beugt sich Dr. Winter zu Dr. Heimann und murmelt: „Haben Sie das verstanden?“
„Kein Wort“, antwortet Dr. Heimann, „aber es war super präsentiert.“

2 Kommentare »

  1. Bist Du „Schulz?“ :-)

    Kommentar von Geheimrat — 7. Juli 2009 @ 22:35

  2. Um Himmels Willen, nein! Ich hasse PPT seit ich mit meinem Studium begonnen habe und versuche ihm zu entkommen, wann immer nur möglich. „Schulz“ steht für all jene Menschen, denen ich bei ihren euphorischen PPT-Präsentationen bereits zusehen durfte. Und meistens nix kapiert hab..

    Kommentar von lexxa — 8. Juli 2009 @ 00:23


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